BIOGARTEN-BLOG | Nadine's kreatives Gartenabenteuer
Kennst du diese Menschen, die dem Sommer nachtrauern, sobald die Tage wieder kürzer werden? Ich gehöre definitiv nicht dazu – und zwar nicht erst seit diesem Jahr. Alles über 22 Grad ist für mich und meinen Körper schlicht eine Zumutung – ich bin offensichtlich fürs gemässigte Klima gebaut ;-)
Du kannst dir also vorstellen, wie begeistert ich von den vergangenen Hitzewochen war. Dazu kommt, dass mein Garten und ich dieses Jahr grosse Pläne hatten – und der Sommer uns dabei gehörig in die Quere gekommen ist. Nun stehe ich zwischen wartenden Obstbäumen in Kübeln, geheimnisvoll spriessendem Grün und einer Pflanzliste vom letzten Jahr – und zähle die Tage bis zum Herbst.
Warum ausgerechnet eine Gärtnerin den Sommer am liebsten vorspulen würde, was mein Garten mit einer Wundertüte gemeinsam hat und weshalb der Herbst die heimliche Hauptpflanzzeit ist – davon erzähle ich dir heute.
Es gibt Jahre, da läuft im Garten alles nach Plan. Und dann gibt es Jahre wie dieses. Der Frühling hat offenbar unentschuldigt gefehlt. Kaum hatte ich die Pflanzschaufel gezückt, stand gefühlt schon der Frühsommer im Garten – und kurz darauf die Hitzewelle mit dem Charme eines Backofens auf Umluft.
Meine Pflanzpläne liegen noch immer im Notizbuch, irgendwo zwischen dem aus allen Nähten platzenden Moodboard und einer To-do-Liste, die inzwischen eher ein historisches Dokument ist.
Dazu muss ich kurz ausholen. Letztes Jahr bin ich umgezogen – und mit mir mein ganzer Garten. Und damit meine ich nicht ein paar Töpfe und Stecklinge. Ich habe meine Obstbäume ausgebuddelt, bis und mit Halbstämmen – darunter Exemplare, die schon sechs Jahre fest eingewurzelt im Boden standen. Bereits im September ging es los mit dem Ausbuddeln, und ab Mitte Oktober stand die grüne Zügelware im neuen Garten – in Baumschulkübeln, BigBags und eingeschlagen in Rahmenbeeten. Ein Wartesaal der besonderen Art ;-)
Stauden habe ich dagegen fast keine mitgenommen. Nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus einem simplen Grund – der Umzug musste bis Ende Februar über die Bühne sein, und als die letzten Etappen anstanden, hatten sich die Stauden längst in den Winterschlaf verabschiedet. Wer im Winter schon mal nach seinen Stauden gesucht hat, weiss, was ich meine. Da ist schlicht nichts zu sehen. Stauden ziehen sich komplett in den Boden zurück und überdauern unsichtbar in ihren Wurzelstöcken, bis sie im Frühling wieder austreiben. Blind nach schlafenden Stauden zu graben, ohne dabei die Hälfte zu zerstückeln – das habe ich mir dann doch verkniffen.
Gepflanzt habe ich im Spätherbst und Winter im neuen Garten übrigens – nichts. Mit einer einzigen Ausnahme, einer Zierkirsche, die schlicht in keinen Baumschultopf, keinen BigBag und kein Rahmenbeet mehr passen wollte. Die durfte als Pionierin in den Boden. Alle anderen mussten sich gedulden, denn ich wollte zuerst herausfinden, was der neue Garten überhaupt zu bieten hat – und wo es für welche Pflanze wirklich Sinn macht. Wie lange ich diesen Vorsatz durchgehalten habe? Dazu später mehr ;-)
Zusammen mit allem, was beim Übernehmen des neuen Zuhauses bereits im Boden steckte, ist mein Garten aktuell also eine einzige Wundertüte.
Man kann. Aber der Baum stellt Bedingungen ;-)
Die wichtigste davon ist der Zeitpunkt. Je näher an der Vegetationsruhe, desto entspannter für den Baum – ohne Laub verdunstet er kaum Wasser und sein Stoffwechsel läuft auf Sparflamme. Genau dann verkraftet er es am besten, wenn man ihm einen Teil seiner Wurzeln nimmt. Denn das passiert beim Ausgraben unweigerlich – vor allem die feinen Faserwurzeln, die fleissigen Arbeiterinnen der Wasser- und Nährstoffaufnahme, bleiben zu einem grossen Teil im alten Boden zurück.
Je länger ein Baum an seinem Platz stand, desto weiter hat er sein Wurzelwerk ausgebreitet und desto grösser ist der Verlust.
Bei meinen sechsjährigen Kandidaten hiess das darum – Ballen so grosszügig wie möglich stechen und trotzdem wissen, dass ein rechter Teil zurückbleibt. Und der Fahrplan spielte mit – als die Bäume ab Mitte Oktober in ihren Wartesaal einzogen, ging es für sie ohnehin Richtung Winterruhe. Wurzeln schlagen im noch warmen Substrat, oben Feierabend machen.
Damit die Rechnung für den Baum aufgeht, muss man oben ausgleichen, was unten fehlt. Sprich – die Krone wird zurückgeschnitten. Weniger Astwerk bedeutet weniger Blattmasse, die im Frühling versorgt werden will, und die verbliebenen Wurzeln kommen mit der Arbeit nach. Klingt brutal, ist aber die halbe Lebensversicherung.
Der Rückschnitt lohnt sich übrigens gleich doppelt – also ran an die Krone, mit scharfer Schere und kaltem Herzen. Denn so ein ausgewachsener Obstbaum ist selbst als Spindelbaum richtig sperrig, und der Wurzelballen bringt beachtlich viel Gewicht auf die Waage. Das Beladen des Umzugswagens wurde trotzdem zum endlosen Tetris – und die Schlepperei die Treppen hoch in den Garten zu einer fast mörderischen Angelegenheit ;-)
Die andere Hälfte ist die Pflege im ersten Standjahr – regelmässig wässern, mulchen, Baumpfahl setzen und Geduld haben. Denn der Baum investiert nach dem Zügeln erst einmal in den Wiederaufbau seines Wurzelwerks. Dass die Ernte in diesem Jahr bescheiden ausfällt oder ganz ausbleibt, ist kein Grund zur Sorge – der Baum setzt schlicht seine Prioritäten.
Weil ich alles daran setzen wollte, dass die Bäume den Winter überleben, habe ich «gepimpt», was ging. Sprich – es gab Pflanzenkohle (CarboVit) und Myradix zu allen geplagten Wurzeln, egal ob die Lagerung wurzelnackt eingeschlagen im Rahmenbeet, im Baumschultopf oder im Bigbag erfolgte. Obendrauf kam bei allen Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen und Co. eine Mulchscheibe aus Schafwolle. So waren die Wurzeln vor der Kälte geschützt – und im gleichen Zug musste auch weniger oft gegossen werden.
Bis jetzt hat sich die Strategie mehr als bewährt – ich hätte nie gedacht, dass so viele Pflanzen den Winter derart gut überstehen. Doch noch sind längst nicht alle im Boden. Darum soll der Herbst her ;-) Auch wenn die Halbstämme nochmals einen Winter in ihren Baumschultöpfen ausharren müssen – die Streuobstwiese stemme ich erst nächstes Jahr. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mein Garten sieht gefühlt jeden Tag anders aus. Ständig taucht irgendwo etwas auf, das ich nicht gepflanzt habe – da schiebt sich eine Staude aus dem Boden, von der ich keine Ahnung hatte, dort blüht es plötzlich in allen Farben. Und das dürfen sie gerne – ich liebe bunte Gärten, je farbiger, desto besser. Die Hummeln sehen das übrigens genauso.
Weniger Freude bereiten mir andere Überraschungen aus der Wundertüte – allen voran der Kirschlorbeer. Im letzten Garten habe ich, nach dem Einverständnis der Vermieter, sämtliche entfernen lassen, im neuen gleich die dreifache Menge von den Vorbesitzern übernommen. Das Schicksal hat offensichtlich Humor ;-) Und er ist leider längst nicht der einzige invasive Neophyt, der sich hier breitmacht.
Trotz allem wuchernden Irgendwas ist dieser Garten spannend und hat viel für die Biodiversität zu bieten. Nur erinnern mich bei jedem Gang durch den Garten die charmebefreiten schwarzen Baumschultöpfe gnadenlos und unübersehbar an die Arbeit, die noch ansteht.
Und ja – ich gebe es zu. Mein Vorsatz, erst einmal gar nichts zu pflanzen, hat nicht ganz gehalten. Genauer gesagt habe ich gepflanzt, was ging ;-) Allerdings mit System – und ausschliesslich auf dem Garagendeck. Ich habe mir ganz bewusst die uninteressanteste Ecke des Gartens als Startprojekt ausgesucht. Die hatte es dann allerdings in sich.
Ein Garagendach stellt seine ganz eigenen Fragen – wie viel Gewicht trägt die Statik, und wie viel Bodentiefe bleibt den Wurzeln überhaupt? Dazu sorgt die grosse Linde an der Strasse, sobald sie Laub trägt, für ein komplettes Sortiment an Lichtverhältnissen – von Schatten über Halbschatten bis pralle Sonne. Bevor also auch nur eine Pflanze in die Erde durfte, habe ich tagelang den Sonnenstand beobachtet und mir notiert, wo welche Zone liegt. Uninteressanteste Ecke, sagte ich? Nun ja ;-)
Soviel zum ursprünglichen Plan für den Frühling – der irgendwie keine Lust hatte, in diesem Jahr eine schöne Phase fürs Auspflanzen zu bieten. Wer schon einmal bei über dreissig Grad frisch gepflanzt hat, weiss, was das heisst. Die Pflanze verdunstet über die Blätter mehr Wasser, als ihr kleiner, noch nicht eingewachsener Wurzelballen nachliefern kann – statt in Ruhe anzuwachsen, kämpft sie ums nackte Überleben.
Damit dieser Kampf nicht aussichtslos wird, habe ich wie schon beim Zwischenlager der Obstbäume mit CarboVit und Myradix gearbeitet – und für ein bisschen «Pfupf» noch Schafwollpellets ins Pflanzloch gegeben, bevor die Pflanze eingebettet wurde. Gut angiessen und fett mulchen war der nächste Schritt. Am zweiten Tag nach dem Angiessen kamen dann die Mikroorganismen dazu (z.B. BlütenVital).
Auf einen Dauereinsatz mit der Giesskanne hatte ich allerdings keine Lust. In den Beeten, die ich bereits anlegen konnte, übernehmen darum grosse 8-Liter-Ollas die Wasserversorgung – eingegrabene Gefässe aus unglasiertem Ton, die ihr Wasser langsam und direkt dorthin abgeben, wo es gebraucht wird, nämlich an die Wurzeln. Vor diesem Garten habe ich Ollas übrigens nur in Hochbeeten und grossen Töpfen eingesetzt – nach den diesjährigen Hitzetagen kann ich sie mit gutem Gewissen auch fürs Beet im Boden wärmstens empfehlen.
Bei der Platzierung gehe ich nach einem einfachen Prinzip vor – Pflanzen, die es gerne etwas feuchter haben, stehen näher an den Ollas, die Trockenheitskünstler weiter aussen. So bekommt jede das, was sie braucht. Da ich dazu neige, diverse Beerensträucher in den Staudenbeeten zu versenken, stehen die meisten Ollas in der Nähe von Johannis-, Josta-, Stachel- und Aroniasträuchern.
Und noch ein Tipp am Rande – und das im wahrsten Sinne des Wortes – Ollas so platzieren, dass man ohne akrobatische Verrenkungen und Gleichgewichtsübungen an die Deckel kommt und die Gefässe problemlos auffüllen kann ;-) Ein Schattierungsnetz hilft zusätzlich, dass der Hitzestress nicht überhandnimmt. Für alles andere habe ich beschlossen, dass wir warten. Gemeinsam. Auf den Herbst.
Und hier kommt die gute Nachricht für alle, die dieses Jahr bis jetzt ebenfalls nicht «fertig» geworden sind (Spoiler – ein Garten ist nie fertig).
Der Herbst ist nicht die Notlösung für Aufgeschobenes. Er ist botanisch gesehen sogar die bessere Pflanzzeit als der Frühling.
Herbstpflanzung – die Vorteile auf einen Blick
Das Geheimnis liegt im Boden. Während die Lufttemperaturen sinken, bleibt der Boden noch wochenlang warm – er hat den ganzen Sommer über Wärme getankt und gibt sie nur langsam wieder ab. Oben ist die Show vorbei, das Laub darf müde werden. Aber unten, im warmen Boden, wird fleissig gearbeitet – die Pflanze steckt ihre ganze Energie in die Wurzeln statt in Blätter und Blüten.
Dazu kommt der Herbstregen, der mir das Giesskannen-Schleppen abnimmt, und die kühlere Luft, die kaum noch Wasser aus den Blättern zieht. Die Pflanze kann sich in aller Ruhe einleben – ohne Hitzestress, ohne Trockenstress und ohne dass ich den Wetterbericht zur morgendlichen Pflichtlektüre erklären muss.
Das Beste daran zeigt sich erst im nächsten Frühling. Die im Herbst gesetzte Pflanze startet mit fertig eingewachsenem Wurzelwerk in die Saison und legt einfach los, während die Frühlingspflanzung noch mühsam Fuss fassen muss. Gehölze, Stauden, Rosen und Blumenzwiebeln sowieso – sie alle danken die Herbstpflanzung mit besserem Anwachsen und mehr Trockenheitstoleranz, weil ihre Wurzeln bereits in tiefere, feuchtere Schichten vorgedrungen sind.
Und Hand aufs Herz – die Sommer der kommenden Jahre werden kaum vernünftiger, eher im Gegenteil. Wenn Hitzephasen wie diese zur neuen Normalität werden, dürfte der Herbst schon bald von der heimlichen Hauptpflanzzeit zu DER Pflanzzeit überhaupt aufsteigen.
Kurz gesagt – ich bin nicht im Rückstand. Ich bin meiner Zeit voraus ;-)
Und damit zurück zu meinem Vorsatz, im neuen Garten vorerst nichts zu pflanzen – der bekanntlich weder die Zierkirsche noch das Garagendeck überlebt hat ;-) Im Kern aber bleibe ich dabei, und das ist keine Faulheit, sondern Plan. Bei einem übernommenen Garten weiss man schlicht noch nicht, was man hat – und die alte Gärtnerweisheit, mit einem neuen Garten erst einmal ein Jahr zu leben, bevor man gross eingreift, hat sich bei mir mehr als bestätigt.
Denn die Wundertüte hat mir verraten, was kein Gartenplan der Welt zeigen könnte. Wo die Sonne im Hochsommer wirklich hinbrennt. Welche Ecke nach einem Gewitter tagelang nass bleibt – und wo nie ein Tropfen hinkommt. Wo der Wind durchpfeift oder es so windstill ist, dass die Zukunfts-Spinnmilben bereits in den Startlöchern stehen. Aber die Zukunfts-Nadine ist gewappnet.
Sogar die Schneckenlage ist dieses Jahr erfreulich übersichtlich – die Anzahl Schnecken, denen ich zu Flugstunden verholfen habe, kann ich an maximal drei Händen abzählen. Den Pilotenschein kriegt bei mir dieses Jahr definitiv keine ;-)
All das fliesst jetzt in meine Herbstplanung und natürlich auch in die Gartenplanung 2027 ein. Mein Notizbuch füllt sich also nicht mit Frust, sondern mit Erkenntnissen. Und die Vorfreude und die wilden Ideen wachsen schneller als jedes Unkraut.
| Im Beet | Im Topf | |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Sobald die grosse Hitze vorbei ist, bis zum Bodenfrost – ideal kurz vor einer angesagten Regenphase | Gleich wie im Beet – aber nur winterharte Arten wählen |
| Vorbereitung | Pflanzloch doppelt so breit wie der Wurzelballen ausheben und die Sohle lockern. Ballen vor dem Pflanzen in Wasser tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen |
Frostfestes Gefäss mit Abzugsloch und einer Drainageschicht aus Blähton oder Kies. Mehr Erdvolumen puffert die Wurzeln besser gegen Frost – aber nicht übertreiben. In zu grossen Töpfen bleibt unbewurzelte Erde gerne lange nass, und das mögen die wenigsten Pflanzen. Faustregel – eine Nummer grösser als der Wurzelballen |
| Ins Pflanzloch | Aushub mit Kompost mischen, Pflanzenkohle (CarboVit) und Myradix direkt an die Wurzeln, Schafwollpellets für den Langzeit-«Pfupf» und zum Fernhalten von Wühlmäusen, welche den Geruch von Schafwolle scheinbar nicht mögen. | Hochwertige torffreie Erde, ebenfalls mit CarboVit, Myradix und Schafwollpellets aufgewertet |
| Pflanzen und Pflege |
Nicht tiefer setzen als zuvor – die Veredelungsstelle bleibt bei Obstbäumen und Rosen über dem Boden. Giessrand formen, kräftig angiessen, fett mulchen, Gehölze an den Pfahl. Ein paar Tage später Mikroorganismen nachlegen (z.B. BlütenVital) – und nicht mehr düngen. |
Kräftig angiessen und die Oberfläche mulchen. An frostfreien Tagen giessen – im Topf ist Wintertrockenheit der häufigste Killer, nicht die Kälte |
| Winterschutz | Mulchscheibe (z.B. aus Schafwolle) über den Wurzelbereich, empfindliche Rosen anhäufeln |
Topf mit Jute oder Vlies einpacken und an eine geschützte Hauswand rücken. Unbedingt auf Füsschen stellen – so fliesst überschüssiges Wasser jederzeit ab, statt sich als Staunässe zu stauen, und der Topf friert nicht am Boden fest. Das schützt die Wurzeln und bei Ton- und Terracotta-Gefässen auch den Topf selbst – gefrierendes Restwasser sprengt den Ton nämlich mit Leichtigkeit. Ich nehme statt einzelne Füsschen ungehobelte Dachlatten, die ich wie ein Rost auf den Boden lege und die Töpfe darauf verteile. |
Womit wir bei einem scheinbaren Widerspruch wären – Düngestopp im Herbst, aber Schafwollpellets ins Pflanzloch? Das geht tatsächlich auf. Klassischer Dünger, vor allem schnell verfügbarer Stickstoff, ist für die Pflanze ein Startsignal – sie treibt frisch aus. Genau das soll im Herbst nicht mehr passieren, denn junge, weiche Triebe können vor dem Winter nicht mehr ausreifen und erfrieren als erstes. Schafwollpellets funktionieren anders. Sie müssen zuerst vom Bodenleben zersetzt werden – und das arbeitet im kühlen Herbst- und Winterboden nur auf Sparflamme.
Die Nährstoffe werden darum erst nach und nach frei, hauptsächlich im Frühling, wenn die Pflanze sie auch tatsächlich brauchen kann. Sozusagen ein Depot fürs neue Gartenjahr statt ein Znacht vor dem Schlafengehen ;-) Nebenbei speichert die Wolle auch noch Wasser und lockert den Boden – auch nicht verkehrt.
Der ausgefallene Frühling und der übermotivierte Sommer haben mir dieses Jahr zwar einen Strich durch die Pflanzrechnung gemacht – ein verlorenes Jahr war es trotzdem nicht. Im Gegenteil. Während ich auf den Herbst warte, hat sich der Garten nämlich längst belebt. Die tierische Garten-WG wächst fleissig – wir haben mittlerweile Blindschleichen, Fledermäuse, Waldmäuse, Erdkröten und Eidechsen entdeckt, dazu zahlreiche Vogelarten. Und sogar Mitbewohnerinnen, die mit uns gezügelt sind – am mitgezogenen Rohrkolben – sind dieses Jahr Libellen geschlüpft. Ihre Larven haben den Umzug offenbar als blinde Passagiere mitgemacht. Wenn das kein Kompliment für einen Wundertüten-Garten ist ;-)
Und damit steht auch gleich das nächste Herbstprojekt fest – für all diese Mitbewohner Winterquartiere und Futterstationen einzurichten. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Im nächsten Jahr ist die Wundertüte dann vielleicht ein bisschen weniger Wundertüte und ein bisschen mehr Wunschgarten. Obwohl – ein Rest Überraschung darf gerne bleiben. Sonst wäre es ja langweilig. Bis dahin übe ich mich in der schwierigsten Gartendisziplin überhaupt. Geduld.