BIOGARTEN-BLOG | Nadine's kreatives Gartenabenteuer
Ich bin im Garten regelmässig auf der Pirsch mit ehrenhaften Absichten und einer Kamera. Meine Super-Models? Hummeln, Bienen und alles, was sich auf den Blüten niederlässt und dabei so tut, als bemerke es mich nicht – im Idealfall. Aber natürlich gibt es auch sehr scheue Individuen. Die bekomme ich nur mit einer sportlichen Einheit "Dreiecklaufen" aufs Bild – oder wenn sie mich durch pures Glück zu spät sehen und mein Finger schneller war als ihre Flügel ;-) Dazu kommen die Diven, die Zurückstarrenden und jene, die konsequent falsch posieren und partout nicht in die Kamera "lächeln" wollen....
Willkommen zu Nadine's Next Top-Bee ;-)
Es gibt Gartenmomente, da sitze ich eigentlich nur kurz auf der Bank, um durchzuatmen. Und dann hängt da plötzlich ein dicker Hummelhintern in der Kapuzinerkresse und es brummt aus dem Blütenkelch, wie wenn die Hummel feststecken würde. Ich halte die Luft an, springe ins Haus, schnappe die Kamera – und bin dann auf dem "bin mal weg-Modus". Aus „kurz Luft schnappen" wird eine Fotosafari, denn es bleibt nie bei der einen Hummel...
Es gibt Pflanzen, an denen immer etwas los ist. Laufstege, auf denen sich das Gartenleben Tag für Tag in Pose wirft. Meine persönlichen Hotspots fürs Beobachten und Fotografieren von Hummeln und Bienen möchte ich heute mit euch teilen. Keine Kenia-Reise nötig, der Garten reicht – egal wie gross, respektive klein.
PS: Ich erkläre in diesem Blog keine technischen Aspekte. Ich habe mittlerweile davon keine Ahnung mehr. Ich habe eine 20 Jahre alte Digitalkamera und 2 Objektive. Der Rest ist Geduld, Übung und Glück. Ich arbeite mit den Voreinstellungen meiner Kamera für Makro- und Sportaufnahmen. Und auf beiden Objektiven ist ein POL-Filter. Das ist alles. Ansonsten zählt nur, dass der Akku aufgeladen ist und die Speicherkarte steckt. Und nicht immer ist die Kamera griffbereit, oder die Gefahr zu gross, dass das "Objekt der Begierde" weiterzieht, bevor ich mit meiner Knipskiste zurück bin. Dann hilft der Griff zum Handy...manchmal ;-)
Auch punkto Weiterverarbeitung der Bilder habe ich keine Lust Stunden vor dem PC zu verbringen für irgendwelche Optimierungen am Bild. Die maximale Anpassung, die ich mache ist das Zuschneiden. Das muss reichen - schliesslich sind meine Bilder für mich eine Art Fototage- oder Gästebuch. Ich muss Freude dran haben und ab und an auch einfach eine "Setcard", damit ich ab und an in meinen Büchern oder online herausfinden kann, wer mich da genau besucht hat. Aber mit Insektenarten ist es bei mir wie mit den Namen von Menschen "Aaah und flups..."...
Mein bisheriges „Outdoor-Natur-Studio" musste leider weichen. Umzug. Kisten packen, Töpfe schleppen, Pflanzen ausbuddeln, verschenken oder mitnehmen – nervenzehrend und mit einem weinenden und einem lachenden Auge.
Was bleibt, ist die Vorfreude auf den neuen Garten und ein aus allen Nähten platzendes Moodboard im Notizbuch - was diesmal auf jeden Fall wieder einen Platz bekommen muss und was ja diesmal vielleicht auch noch Platz hätte ;-) Aber das Thema "Eine geht noch" habe ich ja bereits im "Multi-use-Pflanzen"-Blogbeitrag erörtert – daran hat sich gar nichts geändert.
Bei der Planung frage ich mich regelmässig: Welches waren eigentlich meine verlässlichsten Hotspots? Jene Pflanzen, an denen immer etwas los war, an denen ich Stunden mit der Kamera verbracht habe, ohne dass mir langweilig wurde?
Welche Bühnen muss ich im neuen Garten unbedingt wieder aufbauen, damit Hummeln, Bienen & Co. wieder Schlange stehen und sich in Pose werfen? Beim Sortieren ist diese kleine Liste entstanden. Eine Art persönliches Best-of – meiner Lieblings-Laufstege fürs Garten-Casting.
Auch wenn ich Kaffee in rauhen Massen konsumiere und eigentlich nicht ansprechbar bin, bevor ich mein erstes "Brackwasser" intus habe: Aber wenn ich draussen im Garten frühmorgens was Spannendes entdecke, steh ich vor der ersten Tasse im Garten.
Sehr zur Belustigung zahlreicher Nachbarn, welche auch zu frühen Unzeiten unterwegs sind und ich dann zum Kuriosum werde, weil ich natürlich eigentlich nicht "rausgehfein" und meine Bewegungen und Reflexe noch etwas unkoordiniert wirken.
Was natürlich nur daran liegt, dass sie den Schmetterling, der durch die Nacht auf einer Blüte übernachtet hat und noch richtig klamm ist und auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen wartet, nicht sehen. Der hockt ja nie da, wo ich mich bequem hinstellen und auf Augenhöhe fotografieren kann.
Aber eines ist sicher - frühmorgens im Garten ist die beste Zeit zum fotografieren. Man kann mit dem entstehenden Licht arbeiten. Hat im Winter und Frühling noch charmante Frostkristalle an den Pflanzen.
Und wie erwähnt - viele der Insekten hocken klamm irgendwo im Garten und warten darauf, dass die nächtlichen Temperaturen weichen, damit sie wieder aktiv im Garten rumwuseln können. Diese "Kältestarre" verhindert, dass mir die Tiere "abhauen" ;-) Oder ich entdecke ihre Schlafplätze, denn manche der Insekten sind wahre "Wiederholungstäter" und übernachten über längere Zeit an denselben Blüten, Nacht für Nacht.
Auf meinem Gartentisch steht immer mindestens ein Topf mit Insektenmagneten und regelmässig entdecke ich Übernachtungsgäste darauf.
Wenn man den Morgen "verpasst" hat, ist der Abend mit dem Sonnenuntergang auch eine wunderbare Zeit fürs Fotografieren. Das Licht wird wieder sanfter und mit dem weichenden Sonnenlicht gibt es tolle Effekte mit durchscheinenden Blütenblätter und ihren Besuchern.
Das ist meine "Meditationszeit" im Garten, wo ich mich nach dem Feierabend in eine Gartenecke setze oder entspannt durchflaniere und schaue welche Shows auf den einzelnen Bühnen gerade stattfinden.
Dann entdecke ich lauernde Krabbenspinnen, jagende Hornissen, revierverteidigende Wollbienen und je dunkler es wird, desto mehr Ruhe kehrt ein. Könnte man meinen.
Während sich meine Stammgäste an den Blütenblättern an der Geranie auf dem Tisch festbeissen, tauchen die ersten Fledermäuse auf. Mit ihnen auch die Motten und im Unterholz raschelt es von nach Käfern suchenden Igeln.
Im letzten Gegenlicht tummeln sich Silhouetten von zahreichen Gartenbewohnern und dann - dann ist meine Fotozeit durch ;-)
Ich geniesse die einkehrende Ruhe (von der Akustik her) und lausche in die Nacht. Da hört man knabbernde Käfer, mampfende Igel und mehr. Manchmal nehm ich die Taschenlampe und geh hin. Aber meistens merk ich mir einfach die Richtung und gucke am nächsten Morgen, ob da was am Schlafen ist.
In Ruhe schau ich mir die Bilder durch und merke mir die guten und die weniger guten Winkel fürs nächste Mal. Ich freue mich über die Vielfalt meiner Models – und versuche herauszufinden, wer das eine oder andere ‚Ufo' im Garten war.
Jeder Garten hat verschiedene Zonen und rein schon durch die Bepflanzung ändern sich auch die Szenen und Darsteller, welche die Hauptrollen einnehmen. Anbei eine kleine Auflistung meiner Lieblingsschauplätze im Garten in Bezug auf Pflanzen.
Standort: sonnig bis halbschattig, frisch bis feucht, nährstoffreich, gerne lehmig-tiefgründig; an Bachufern, Gräben, Waldrändern
Blütezeit: Mai – Juli (bei Rückschnitt zweite Blüte bis September möglich)
Insekten: Gartenhummel und andere langrüsselige Hummeln, Pelzbienen, Wollbienen, Honigbienen (oft als «Nektardiebe» durch seitliches Anbohren), Schmetterlinge
Notizen: Der heimliche Tiefbohrer im Garten: Seine Pfahlwurzel reicht bis zu 2 Meter in die Erde und holt Nährstoffe aus Schichten, die anderen Pflanzen verschlossen bleiben. Daraus lässt sich eine der besten natürlichen Pflanzenjauchen überhaupt ansetzen – kalireich, gratis, und deine Tomaten werden dich lieben.
Das Hummeleldorado schlechthin - und eine Multi-use Pflanze vom Feinsten. Vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang hat der Beinwell regelmässig Hummel- und Bienenbesuch.
Und da gibt es etwas unglaublich Faszinierendes zu «hören». Ab und an tönt es beim Beinwell, wie wenn eine Hummel oder Biene feststeckt. Ich hab schon aufgeregt gesucht, um der armen Biene aus ihrem Gefängnis zu helfen :D Dabei ist es ein sehr cooler Trick der Bestäuber. Die sogenannte Vibrationsbestäubung (Sonikation).
Bei manchen Pflanzen – Beinwell gehört dazu, genauso wie Tomaten, Heidelbeeren, Nachtschatten – sitzt der Pollen nicht offen auf den Staubgefässen, sondern in kleinen röhrenförmigen Staubbeuteln, die nur an der Spitze eine winzige Öffnung haben. Quasi ein umgedrehter Salzstreuer.
Um da ranzukommen, machen Hummeln Folgendes:
Das Geräusch, das du da hörst, ist also nicht das normale Flug-Brummen, sondern ein anderer, intensiverer Ton – meist etwas höher und «bohrender». Es ist das Geräusch des Vibrierens selbst, der reinen Muskelarbeit ohne Flug.
Das Verrückte daran: Honigbienen können das nicht. Ihnen fehlt die Technik – sie schaffen es nicht, ihre Flugmuskulatur so gezielt zu entkoppeln und zu vibrieren. Deshalb sind Hummeln die einzigen Tomaten-Profis in unseren Gärten (und deshalb werden im kommerziellen Gewächshaus-Tomatenanbau echte Hummelvölker eingesetzt – Honigbienen wären wertlos). Einmal mehr ein Moment, wo uns die Hummel zum Staunen bringt ;-)
Beim Beinwell mischen sich die Techniken. Die langrüssligen Hummeln gehen vorne in die Blüte rein und holen sich ihren Nektar klassisch – und machen nebenbei die Vibrations-Nummer für den Pollen. Die Kurzrüssligen dagegen sind zu klein für den direkten Zugang. Die werden zu Nektarräuberinnen: Sie beissen einfach seitlich ein Loch in den Blütenkelch und zapfen den Nektar von aussen an – ohne die Blüte zu bestäuben. Und Honigbienen? Die nutzen die fertigen Löcher als eine Art kostenlose Zapfstelle.
Standort: halbschattig bis schattig, frisch, humos, nährstoffreich; unter Laubgehölzen, an Waldrändern
Blütezeit: März – Mai (wichtige Frühlingstracht!)
Insekten: Gehörnte Mauerbiene, Gartenwollbiene, Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), Hummelköniginnen beim Aufbau ihrer Völker, langrüsselige Wildbienen
Notizen: Der Name kommt nicht von ungefähr: Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre glaubte man, die gefleckten Blätter würden an Lungengewebe erinnern – und wo etwas wie ein Organ aussieht, muss es diesem auch helfen. So kurios die Theorie, so richtig lag sie hier tatsächlich: Lungenkraut enthält Schleim- und Gerbstoffe, die sich beruhigend auf gereizte Schleimhäute legen. Ein Aufguss aus den Blättern ist bis heute ein sanfter Hustentee für Kratzhälse – Gartenapotheke vor der Haustür.
Upsi - da waren's plötzlich 2 Nummer eins. Nein, kein Schreibfehler. Eine Nummer eins für die Sonne und eine Nummer 1 für den Halbschatten. So geht das ;-) Ich konnte mich nicht entscheiden. Das getüpfelte Lungenkraut hab ich bereits auf dem Balkon immer dabei - das darf eigentlich nie fehlen. Es ist ebenfalls ein totaler Hummelmagnet - aber die Bienen sind hier auch voll mit dabei. Ein echter Place-to-bee ;-)
Und wie könnte es anders sein - auch zum Lungenkraut gibt es etwas Spannendes zu erzählen. Ab Ende März, manchmal sogar schon im Februar, tauchen die ersten Blüten auf – und prompt sind auch die ersten Hummeln da. Vor allem die langrüssligen unter ihnen, die es schaffen, in die tiefen Blütentrichter hineinzukommen, wo der Nektar sitzt. Für mich als Fotografin bedeutet das: Kamera bereithalten, denn an sonnigen Frühlingstagen ist am Lungenkraut immer was los.
Das eigentlich Faszinierende entdeckt man erst, wenn man länger davor sitzt und genau hinschaut. Denn am Lungenkraut blühen rosa und blaue Blüten gleichzeitig. Auf derselben Pflanze. Nebeneinander. Und ich hab mich jahrelang gefragt, ob das zwei verschiedene Sorten sind, die sich vermischt haben. Oder ob eine Seite mehr Sonne abbekommt als die andere. Oder ob's einfach ein Laune-der-Natur-Ding ist. Nichts davon. Es ist ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem.
Rosa heisst «Tisch bereit», Blau heisst «schon weg». Beim Aufblühen sind die Blüten rosa – und genau dann haben sie den meisten Nektar. Nach ein paar Tagen wechseln sie zu einem klaren Violettblau. Der Grund ist chemisch ziemlich cool: Der pH-Wert im Zellsaft der Blüte verändert sich, und das lässt den Farbstoff umschlagen. Ähnlich wie bei Rotkohl, der beim Kochen je nach Säuregrad die Farbe ändert – nur dass das Lungenkraut es lebendig auf dem Stängel macht.
Und das ist kein Zufall. Die Farbe ist ein Signal an die Bestäuber: «Hey, die Rosa da – da gibt's noch was. Die Blau sind schon leergefuttert, spart euch die Anreise.» Hummeln und Bienen steuern gezielt die rosafarbenen an, die blauen werden weitgehend ignoriert. Eine Art eingebautes Ampelsystem zwischen Pflanze und Insekt – und wenn man erst mal weiss, worauf man schauen muss, sieht man's bei jedem Besuch. Beide Seiten haben was davon. Die Hummel spart Zeit und Energie, weil sie nicht an leeren Blüten vorbeifliegen muss. Die Pflanze sorgt dafür, dass ihre Bestäuber sich auf die Blüten konzentrieren, wo noch frischer Nektar ist und wo der Pollen wirklich weitergetragen wird. Ein kleines, perfekt abgestimmtes System, an dem sich seit Jahrmillionen offenbar nichts hat verbessern lassen.
Das Lungenkraut hat übrigens noch einen Cheat-Modus, was die Verbreitung der Samen angeht. Aber das kommt ein anderes Mal - vielleicht kommt das ja mal ins Sortiment und wir küren es zur Pflanze des Monats, dann kann ich dir dazu mehr erzählen ;-)
Standort: sonnig bis halbschattig, frisch bis feucht, nährstoffreich
Blütezeit: Mai - Juli
Insekten: Rosenkäfer (im Bild), Schwebfliegen, Wildbienen, Nachtfalter
Notizen: Was Katzen entzückt und Insekten anzieht, beruhigt uns Menschen: Der Baldrian enthält ätherische Öle, die zu den ältesten Schlafmitteln der Welt gehören.
Standort: vollsonnig, trocken, durchlässig, gerne kalkhaltig
Blütezeit: Juni - August
Insekten: Taubenschwänzchen / Schwärmer (im Bild), Hummeln, Wildbienen, Honigbienen, Tagfalter
Notizen: Achtung! Viele gezüchtete Lavendelsorten sehen üppig aus, bieten aber kaum Nektar und Pollen – sie sind für Insekten die Blumenbeet-Version eines Schaufensters ohne Ware. Wer Wildbienen und Schwärmern etwas Gutes tun will, greift zum klassischen Echten Lavendel.
Standort: sonnig bis halbschattig, frisch, mässig nährstoffreich
Blütezeit: Juni - August
Insekten: Dickkopffalter (im Bild) und weitere Tagfalter, Hummeln, langrüsselige Wildbienen (z.B. Rophites algirus)
Notizen: Der Heilziest ist eine heimische Rarität mit Geschichte: Im Mittelalter galt er als Universal-Heilmittel gegen gefühlt alles von Kopfweh bis Hexerei. Heute ist er vor allem für langrüsselige Wildbienen unersetzlich – seine tiefen Blüten sind eine Tankstelle, an die Honigbienen gar nicht rankommen.
Standort: sonnig, feucht bis nass (ideal für Teichränder)
Blütezeit: Juli - September
Insekten: Zitronenfalter (im Bild), Hummeln, Wildbienen (z.B. Melitta nigricans), Tagfalter
Notizen: Die violetten Blütenkerzen sind nicht nur Insektenmagnet, sondern auch essbar: Die Blüten geben Salaten und Desserts einen dezent herb-süsslichen Geschmack und eine hübsche rosa-violette Farbe – früher wurde mit ihrem Saft sogar Zucker eingefärbt. Mit der Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans) hat der Blutweiderich eine eigene Spezialistin unter den Wildbienen, die bevorzugt hier Pollen sammelt.
Standort: vollsonnig, trocken bis frisch, mager, gerne kalkhaltig; Pionierpflanze auf Ruderalflächen, Kies- und Schotterstandorten
Blütezeit: Juni - September
Insekten: Hummeln, Honigbienen, Wildbienen (u.a. Steinklee-Schmalbiene Lasioglossum sexnotatum), Bläulinge und andere Tagfalter
Notizen: Im frischen Zustand geruchlos, beim Trocknen plötzlich intensiv nach Waldmeister und Heu – das ist das Cumarin, dem der Honigklee seinen Namen verdankt. Als zweijährige Pionierpflanze besiedelt er gerne karge Stellen und macht sie blütenreich, bevor andere Arten nachziehen.
Standort: vollsonnig, trocken, durchlässig, kalkhaltig
Blütezeit: Juli – Oktober
Insekten: Ackerhummel (im Bild), Wildbienen, Schwebfliegen, späte Tagfalter
Notizen: Eine der wertvollsten Spätblüherinnen überhaupt: Wenn im Hochsommer anderswo schon Pause ist, liefert die Bergminze bis in den Oktober hinein Nektar. Für Hummelköniginnen, die sich für den Winter fett fressen müssen, ist sie pures Gold – und ganz nebenbei eine der besten Tees gegen flaue Mägen.
Standort: sonnig, trocken bis frisch, mager, kalkhaltig
Blütezeit: Juni – September
Insekten: Kleiner Fuchs (im Bild) / Tagfalter, Wildbienen (u.a. Scabiosen-Hosenbiene), Schwebfliegen, Hummeln
Notizen: Die Taubenskabiose hat ihre eigene Exklusiv-Biene: die Skabiosen-Hosenbiene (Dasypoda hirtipes), die mit ihren dicht behaarten «Pluderhosen» an den Hinterbeinen Pollen sammelt wie kaum eine andere. Ohne Skabiosen im Garten – keine Chance, diese kleine Clownin je zu sehen.
Standort: sonnig, frisch, nährstoffreich, durchlässig
Blütezeit: Juni – September
Insekten: Malven-Langhornbiene (im Bild, spezialisiert!), Hummeln, Tagfalter
Notizen: Die Malven-Langhornbiene (Eucera macroglossa) ist buchstäblich auf Malven angewiesen – und man erkennt die Männchen an ihren extrem langen Fühlern, die fast wie Antennen aus einem Science-Fiction-Film wirken. Ein Malvenbeet ist also automatisch eine Partnervermittlung für eine unserer schönsten Wildbienen.
Standort: sonnig, trocken bis frisch, mager, gerne lehmig-sandig; Waldränder, Säume, Magerwiesen
Blütezeit: Juni - August
Insekten: Schwalbenschwanz (im Bild), Tagfalter, Schwärmer, langrüsselige Wildbienen und Hummeln
Notizen: Sie steht in der Schweiz auf der Roten Liste als «verletzlich» – wer sie im Garten ansiedelt, leistet also ganz konkret einen Beitrag zum Arterhalt. Als zweijährige Pflanze braucht sie etwas Geduld: Im ersten Jahr nur Blattrosette, dann im zweiten Jahr der grosse Auftritt.
Fällt dir was auf? Viel Violett, viel Blau, viel Lila – und so gut wie kein Rot in der Runde. Kein Zufall. Bienen und Hummeln sind farbenblind für Rot. Eine knallig-rote Tulpe ist für sie ein dunkler Fleck im Garten. Dafür sehen sie etwas, was uns verborgen bleibt: ultraviolettes Licht.
Viele Blüten, die für uns einfarbig gelb oder weiss wirken, sind in Bienen-Augen kleine Flughäfen mit Leuchtmarkierungen, die geradewegs zum Nektar führen. Man nennt das Saftmale - ein «Bienenleitsystem». Eine Biene sieht dort quasi eine Schrift: «Hier entlang bitte, Service unten links.»
Die grosse Ausnahme sind die Schmetterlinge: Sie sehen als Einzige auch im Rotbereich – manche sogar mit fünf Farbrezeptoren (wir Menschen haben drei). Deshalb findet man sie auch an Mohn, Rotklee oder purpurnen Phloxsorten, welche Bienen links liegen lassen.
Insekten entscheiden in Millisekunden: Farbe und UV-Muster als Fernsignal («da ist was»), Duft zur Bestätigung («lohnt sich»), Nektar als Belohnung beim Landen. Genau deshalb sind Pflanzen wie Lavendel und Heilziest solche Magnete – sie liefern auf allen drei Ebenen. Noch ein Detail, wo sich nicht alle darüber bewusst sind: Nektar ist der Energydrink für die erwachsenen Besucherinnen. Pollen dagegen ist die Babynahrung und geht an die Larven. Die besten Hotspots liefern beides.
Der Rüssel entscheidet mit. Honigbienen und Erdhummeln haben kurze Rüssel und brauchen offene, flache Blüten. Gartenhummeln und Steinhummeln kommen auch an tiefe Kelche wie Beinwell oder Taubnessel. Schmetterlinge übertrumpfen alle – mit ihrem langen Rüssel erreichen sie selbst tiefe Blütenkelche, an die niemand sonst rankommt – sie erreichen sogar die tiefen Phloxblüten.
Der Eisenhut heisst übrigens nicht umsonst so: Seine helmförmigen Blüten sind nur für Hummeln zugänglich. Jede Pflanze eine eigene Türe, jede Biene ein anderer Schlüssel.
Bei gefüllten Blüten wurden die Staubblätter durch Züchtung in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt. Heisst: weder Pollen noch Nektar sind erreichbar oder verfügbar. Für uns eine Augenweide, für die Biene eine Mogelpackung.
Daher wachsen in meinem Garten hauptsächlich einfache Blüten, bei denen die gelben Staubgefässe in der Mitte noch zu sehen sind. Trotzdem findet man auch Pflanzen mit gefüllten Blüten, nur nicht viele. Wenn es genug Buffets hat, ist das auch kein Verbrechen - schliesslich ist eine alte historische Rose mit ihrem schweren Duft ein «Riechmal» für Nadine ;-) ...und das darf auch sein. Wichtig ist das Verhältnis – ein Garten, in dem das Buffet reich gedeckt ist, verträgt auch ein paar Deko-Stücke ohne Inhalt.