Alles beginnt im Boden. Die Basis muss stimmen, dann kann erfolgreich darauf aufgebaut werden.
Doch wie pflegt man den Boden korrekt? Wie stellt man sicher, dass alle Pflanzen in ihrem Optimum wachsen können, und wie garantiert man, dass das krümelige Braun lebendig bleibt und die Bodenlebewesen aktiv?
Der Startpunkt hängt von der Ausgangslage ab: ob bei einem bestehenden Garten mit Blick auf die bisherige Pflege und vorhandene Pflanzen, nach einem Neubau, wenn der aufgeschüttete Boden geprüft werden muss, oder bei einem Beet-Neustart auf einer Wiesenfläche. In jedem Fall empfiehlt sich zuerst eine Bodenanalyse. Sie zeigt, wie es dem Boden wirklich geht, und ist die Basis für alle weiteren Massnahmen – egal ob naturnah nach Permakultur, im Selbstversorgergarten oder klassisch im Haus- oder Bauerngarten.
Zum perfekten Boden in 3 Schritten – für mehr Ertrag, Biodiversität und lebendige Beete.
Das bietet diese Seite zum Thema Bodenverbesserung
Ein lebendiger Boden bildet die Grundlage eines naturnahen Gartens. Hier werden Nährstoffe umgewandelt, Wasser gespeichert und Pflanzen vor Krankheiten geschützt. Humusreiche, gut durchlüftete Erde fördert starke Wurzeln und üppiges Wachstum. Ein guter Boden ist stabil, verankert die Pflanzen sicher, und hält Wetterextreme wie Starkregen oder langanhaltende Trockenheut besser aus. Eine wichtige Eigenschaft in Anbetracht des Klimawandels.
Humus ist ein guter CO2-Speicher und schützt das Grundwasser vor Verunreinigungen. Zudem schafft ein gesunder Boden die Grundlage für eine grosse Vielfalt an Mikroorganismen und Nützlingen – das ist biologische Vielfalt direkt unter unseren Füssen.
Eine gute Bodenstruktur ist entscheidend für die Aktivität der Bodenorganismen und die Fruchtbarkeit. Der Boden setzt sich aus Sand, Lehm, Ton, organischen Materialien und Wasser zusammen.
Diese Komponenten bilden ein krümeliges System und resultieren in einer porigen Struktur, die den Lebensraum für Mikroorganismen und Wurzeln bildet und gleichzeitig das Reservoir für Nährstoffe und Wasser. Dabei sind grosse, mittlere und kleine Poren nötig: Pflanzen durchwachsen diese Poren mit ihren Wurzeln, dort findet die Interaktion mit den Bodenlebewesen statt – Mineralisierung und Nährstoffaufnahme sind das Ergebnis eines Gebens und Nehmens zwischen Wurzeln und Mikroorganismen.
Wer heute bewusst Bodenpflege betreibt, und dieses natürliche System mit der richtigen Pflege unterstützt, investiert nachhaltig in den Garten – für gesunden Boden, robuste Pflanzen und reiche Ernte, Jahr für Jahr.
Der Schlüssel für gezielte Bodenverbesserung ist eine vorgängige Bodenanalyse. Mit einfachen DIY Methoden oder Bodentest-kits lässt sich pH-Wert, Nährstoffversorgung sowie die Bodenstruktur überprüfen – so werden Mangelsituationen, Versauerung oder Verdichtung schnell erkannt.
Der pH-Wert beeinflusst die Aktivität der Mikroorganismen sowie die Nährstoffverfügbarkeit. Somit bestimmt er mit, wie gut gewisse Pflanzen wachsen.
Nicht alle Pflanzen haben das gleiche Optimum:
Da die meisten Pflanzen dem Boden kontinuierlich Nährstoffe entziehen, und diese dann mit der Ernte aus dem System gebracht werden, müssen diese Nährstoffe dem Boden wieder zugeführt werden; durch Mulchen, dem Einsatz von Kompost und gezieltem (organischen) Düngen. Bereits das Fehlen oder die Begrenzung eines einzigen Nährstoffs hemmt das Wachstum der Pflanze. Der Ertrag richtet sich immer nach demjenigen Element, das am wenigsten vorhanden ist – dazu zählen Mineralstoffe, Spurenelemente, Licht und Wasser (siehe Liebigsches Fass).
Die richtige Menge Stickstoff (N) ist für ein robustes Wachstum notwendig, insbesondere bei Gras- und Blattpflanzen. Phosphor (P) ist unverzichtbar für ein starkes Wurzelwachstum und Wurzelgemüse. Ebenfalls spielt es eine Schlüsselrolle bei der Bildung gesunder Stängel und Knospen. Kalium (K) ist essentiell für die Entwicklung von Sträuchern, Blüten und Früchten. Ein ausreichender Kaliumgehalt verbessert den Duft und die Farbe der Blüten. Bei Gemüse sorgt es für eine bessere Qualität der Ernte.
Aber aufgepasst: Wichtig ist das richtige Gleichgewicht. Zu viel Dünger kann ähnliche Schäden anrichten wie ein Mangel. Phosphor und Kalium sind oft im Überschuss vorhanden. Bei einem Nährstoffüberschuss steigt der Salzgehalt im Boden, die Wurzeln können weniger Wasser aufnehmen – oder einzelne Nährstoffe blockieren sich gegenseitig.
Humus ist die gesamte tote organische Substanz im Boden und ein wichtiger Indikator für die Bodenfruchtbarkeit. Mithilfe der Menge organischen Kohlenstoffs (Corg, engl: TOC), kann der Humusanteil eines Bodens bestimmt werden. Der Humusgehalt hängt vom Tongehalt des Bodens ab, da sich mit Ton stabile Ton-Humus-Komplexe bilden, und so der Humus gegen weiteren Abbau geschützt ist. Sandige Böden können nur wenig Humus speichern, während schwere, tonreiche Böden von Natur aus humusreicher sind, dafür aber auch mehr Humus brauchen, um eine gute Struktur zu erreichen.
In der Schweiz liegt der Humusgehalt im Garten in den obersten 20 cm Boden bei 5-8 % organischem Kohlenstoff, was zwar höher als auf durchschnittlichem Ackerland, aber immernoch eher tief ist. Gute Werte für den Humusgehalt im Verhältnis zum Tongehalt wären ab 17%, besser noch über 24%.
Eine schlechte Bodenstruktur zeigt sich an zu schweren Böden mit hohem Tonanteil, die Staunässe verursachen, oder an zu sandigen Böden, die wenig Festigkeit besitzen und in denen Nährstoffe leicht ausgewaschen werden.
Die Bodenstruktur und -aktivität lassen sich auf verschiedene Weise selbst messen:
Für zwischendurch, oder wenn einmal kein Test-kit zur Hand ist, lohnt es sich den Boden genau zu beobachten, und auf Zeigerpflanzen zu achten. Zeigerpflanzen sind stille Bodenexperten und weisen auf gewisse Bodenbeschaffenheiten hin. Mehr dazu findest du hier.
Zustand des Bodens |
Lösung zur Bodenverbesserung |
| pH-Wert zu tief (sauer) |
Kalkprodukte wie Napf-Steinmehl helfen, den Wert zu regulieren – besonders bei Obstbäumen, Gemüse oder Rasen wichtig. Calcium und Magnesium in Kalkprodukten wirken als Kittsubstanz zwischen Ton- und Humuspartikeln und fördern so eine stabile Bodenstruktur. Da der Kalkgehalt im Oberboden natürlicherweise laufend abnimmt, ist eine regelmässige Zufuhr für die Stabilisierung des pH-Wertes im optimalen Bereich nötig. |
| pH-Wert zu hoch (alkalisch) |
Moorbeetpflanzen profitieren von Bodensauer und Moorbeeterde; Heidelbeeren oder Rhododendren gedeihen ebenfalls nur im sauren Bereich. |
| Verdichtete Böden | brauchen Luft: Gründüngung, lockere Bodenhilfsstoffe wie Perlit oder Pflanzenkohle brechen die schwere Struktur auf. Sie verbessern das Wasserspeichervermögen und Aktivieren das Bodenleben. |
| Sandige, ausgelaugte Böden | profitieren von mineralreichem Lava-Steinmehl und nährstoffreichem Kompost oder Wurmhumus. Für extra Vitalität kann die Erde mit Bodenzusätzen wie CarboVit aufgewertet werden. Dies hilft der Speicherkapazität von Nährstoffen und Wasser, Aktivierung des Bodenlebens und Speicherung der Nährstoffe. |
| Nährstoffmangel |
in Beeten langfristig Humus aufbauen durch das Einbringen von organischem Material (richtige Substratwahl, Kompostzugabe, Mulchen, Gründüngung). Kurzfristig und bei starkzehrenden Pflanzen gilt es gezielt organisch zu düngen: Obst- und Beerendünger, Biodünger für Gemüse und Blumen oder Universaldünger helfen weiter. Schafwollpellets und Hühnermistpellets als Langzeitdünger versorgen den Boden langsam und nachhaltig (mit ihnen wird nicht nur ein “Abfall-Produkt” genutzt, die enthaltenen Nährstoffe werden auch nicht ausgewaschen und sind so sehr langanhaltend). |
| Überdüngung |
wird mit einem Düngerstopp für 1-3 Jahre begegnet, dazu kein Kompost und keine Jauchen. Stattdessen Einbringen von Perlit, sowie RhizoSan und RhizoPlus, oder im Herbst nicht-aktivierte Pflanzenkohle. Hülsenfrüchtler wie Klee, Bohnen oder Erbsen versorgen den Boden mit Stickstoff, ohne dabei die Phosphor- und Kaliumgehalte zu erhöhen. |
| Fehlende Mikroorganismen | können bei Pflanzungen direkt eingebracht werden; die Bodenbakterien und -pilze in RhizoPlus und RhizoSan, sowie die Mykorrhiza-Pilze in Myradix moderieren die positive Interaktion zwischen Pflanzenwurzeln und dem Boden. |
|
Pflanzenpathogene Nematoden |
können durch eine Gründüngung gegen Nematoden in Schach gehalten werden (dies sind nicht dieselben wie die Nützlings-Nematoden, der Unterschied wird am Ende der Nematodenseite erklärt). |
Trockenheitsliebende (wie auch mediterrane) Pflanzen sind oft an nährstoffarme und steinige Böden angepasst, profitieren aber trotzdem von einer lockeren, gut durchlüfteten und humusreichen Bodenstruktur, solange keine Überdüngung erfolgt. In sehr langen Trockenphasen sind auch sie auf Wasser angewiesen, und bei starken Niederschlägen darauf, dass der Boden nicht verschlämmt und das Wasser versickern kann.
Klimatechnisch ist auch die CO2-Bindefähigkeit von Humus nicht zu unterschätzen. Viele Wildpflanzen gedeihen zwar auf mageren Standorten, profitieren aber ebenfalls von der stabilen Krümelstruktur humusreicher Böden. Diese sorgt für bessere Wasserverteilung und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Klimaextreme.
Kompostieren ist ökologisch sinnvoll und liefert wertvollen Humus. Küchenabfälle und Pflanzenreste verwandeln sich ganz natürlich in nährstoffreichen Bodenverbesserer. Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis von feuchten, grünen und trockenen, holzigen Bestandteilen. Richtig eingesetzt, fördert Kompost das Bodenleben und sorgt für stabile, krümelige Erde. Die Zugabe von Lavasteinmehl verhindert unerwünschte Gerüche und hilft bei der Bodenverbesserung zusätzlich.
Fehlen dem Kompost die Nährstoffe, welche für die Abbauprozesse notwendig sind, kann Kompostbeschleuniger verwendet werden. Dies kurbelt die Mikroorganismen an, was zu einer höheren Temperatur im Kompost führt und somit auch zu schnellerem Kompostiervorgang und dem Abtöten von Krankheitserregern. Beim Kompost darauf achten, dass er genug Zeit hatte zu reifen; reifer Kompost stinkt nicht, und hat eine lockere, krümelige Struktur.
Platzsparender und auch in der Wohnung möglich ist ein Wurmkompost, oder alternativ kann fertiger Wurmhumus im Frühling ausgebracht werden.
Damit die wertvollen Bodenlebewesen nicht abhandenkommen, muss darauf geschaut werden möglichst selten offene Bodenflächen im Beet zu haben. Dazu wird er mit Mulch belegt oder zwischen den Pflanzungen mit einer Gründüngung bepflanzt. Das bringt ebenfalls, zusätzlich zum Kompost, organisches Material ein.
Bei der mechanischen Pflege des Bodens unbedingt darauf achten, dass die Struktur nur verbessert wird, und nicht bereits durch Bodenlebewesen geschaffene Struktur zerstört wird. Sprich: so wenig wie möglich.
Die Idee, ein Beet mit Spaten oder Bodenfräse komplett umzugraben ist schon lange überholt. Die natürliche Ordnung und Schichtenstruktur wird dabei so sehr durcheinander gebracht, dass es mehr als eine Saison lange dauert, bis ein intaktes Bodenleben zurückkehrt. Zudem wird dadurch Unkraut begünstigt, da die obere, nährstoffreiche Schicht nach unten gekehrt wird.
Bei besonders bei stark beanspruchten Flächen oder verdichteten Böden eignet sich Lüften (Aerifizieren). Es sorgt für mehr Sauerstoff im Boden, fördert das Wachstum und reduziert Verdichtungen. Dazu wird eine Grabgabel (Grelinette) verwendet, die es ermöglicht die Erde zu lockern, ohne die Schichten durcheinanderzubringen. Die langfristig nachhaltigste und schonendste Art den Boden zu Lüften, bringt eine tiefwurzelnde Gründüngung.