«Es wächst, was wächst - ein Familienprojekt»

  • Gärtner:innen: Emmy und Peter Weibel, Andi Dürst und Fränzi Weibel

  • Ort / Region: Neuenhof (ca. 400 m.ü.M)
  • Gartennutzer:innen: Der Garten ist ein Familienprojekt, den bereits Fränzis Eltern gestartet haben; heute ist Emmy für die Rosen und Iris zuständig, Peter für das Stutzen und Frisieren der Bäume, Fränzi selbst kümmert sich neben den Kräutern und Stauden darum, dass die Schmetterlinge nicht zu kurz kommen, und Andi versorgt den Garten mit einer Tomatensortenvielfalt, die ihresgleichen sucht. Die Kinder dürfen geniessen, und von der Beeren-, Pfefferminz- und Melissenernte profitieren.
  • Seit wann wird der Garten naturnah gestaltet: seit den 1980er Jahren mehr und mehr
  • Gartengrösse: ca. 500-650 m2
  • Auszeichnungsjahr: 2026

 

Lieblingsprojekt:

Das neuste Projekt; ein Sandarium mit rund 80 Litern ungewaschenem Sand. Eingefasst ist es mit Rasenkanten und platziert  unter einer hübschen Bank. So tritt keiner drauf, und ein gewisser Katzenschutz ist auch bereits vorhanden. So können die bodennistenden Wildbienenarten in Ruhe ihren Nachwuchs sicherstellen. Die Schneckenhäuschen liegen nicht nur fürs Auge da, sondern werden ebenfalls einigen Spezialisten als Nistplatz angeboten (z.B. verschiedenen Schneckenhaus-Mauerbienen).

Der Garten der Familie Weibel wurde 2026 von Andermatt Biogarten für seine naturnähe und vielfalt ausgezeichnet. | © Andermatt Biogarten AG
Unser Garten ist ein Familien- und Generationenprojekt, bei dem jeder seinen Bereich hat. Allen gemeinsam ist die Begeisterung für dieses grüne Paradies.
Familie Weibel-Dürst
Kleiner Teich mit Steinen im Uferbereich als Lebensraum für Wassertiere und Sonnenplatz für Insekten und Amphibien | © Andermatt Biogarten AG

Erfüllte Kriterien

  • Frühjahr- oder Herbstblüher
  • Brutgelegenheit für Vögel
  • Vogeltränke / Vogelbad
  • Winter- oder Tagesverstecke für Kleinsäuger
  • Winter- oder Tagesverstecke für Insekten
  • Nistmöglichkeiten für Wildbienen
  • Feuchtbiotop / Teich
  • Lehmtankstelle / Sandarium
  • Biotopbaum
  • Mischkulturen oder nützlingsfördernde Pflanzen
  • Dach- oder Mauerbegrünung
  • Störelemente auf ein Minimum reduziert

Im Gespräch mit Fränzi Weibel und Andi Dürst

Andermatt Biogarten: Was hat euch dazu animiert, einen Biodiversitätsgarten zu gestalten?

Fränzi Weibel: Damit haben meine Eltern bereits begonnen, früher war der Garten allerdings noch etwas mehr in klassische Zonen eingeteilt, so gab es auch ein extra Gemüsebeet. Heute haben wir noch viel mehr Gemüse, aber es ist alles überall verteilt. Andi zieht jedes Jahr etwa 400 Setzlinge, wovon nur schon die Tomaten dieses Jahr etwa 350 Stück ausgemacht haben, alle möglichen Sorten sind vertreten. Es wird bunt gemischt- auch zwischen den Blütenstauden sind überall Fenchel für die Schmetterlinge platziert (insgesamt bestimmt 100 Stück), den Blattkohl lassen wir auch einmal versamen, die Brennnesselecke findet man hinter den Brombeeren, Bohnen neben den Tomaten, überall dazwischen hat es Walderdbeeren als leckere Bodendecker oder Tagetes und Kapuzinerkresse als Farbtupfer und Opferpflanzen.

Womit habt ihr im biodiversen Garten begonnen, was empfiehlt ihr als Einstieg für Neuinteressierte?

Am besten startet man mit Leidenschaft! Etwas, was einem wirklich interessiert- bei Andi war es das Tomätlen, das ihm den Ärmel reingezogen hat, bei mir die Freude am Selbstversorger-Sein; wir ernten vieles an Kräutern, verarbeiten Pfefferminze, Zitronen- und Goldmelisse zu erfrischenden Getränken (gesüsst mit Zuckerblatt-Brombeere), geniessen frischgepflückten Salat und Beeren, sowie im Frühling Bärlauch, das macht einfach Spass.

Zudem gab es die Bewirtschaftung des Schulbiotops, was meine Neugierde noch weiter gepackt hat. Das eine führt dann zum anderen, so habe ich begonnen, immer mehr für Schwalbenschwänze anbieten zu wollen, mittlerweile habe ich Dutzende Raupen im Garten, die ich drinnen in einem Netz ihre Metamorphose beenden lasse, so dass die Erfolgsrate bis zum erwachsenen Schmetterling noch etwas grösser ist. 

Was für Herausforderungen habt ihr erlebt und wie habt ihr sie gemeistert? 

Einiges meint es manchmal etwas zu gut mit dem Wachsen: Das Schilf haut regelmässig aus dem Teich ab, und muss dann wieder zurückgepfiffen werden, wenn der Giersch etwas überhand nimmt, wird er einfach gegessen (im Auflauf wunderbar), auch die Goldrute mussten wir schon entfernen, wenn man dies aber flächig und gründlich tut, funktioniert das ganz gut. Bei der Asiatischen Hornisse ist momentan ein Tracking angesagt; mit einer speziellen Fotofalle werden die Insekten bei uns erfasst, und dann von Experten bestimmt. 

Keine Herausforderung, aber etwas was wir im Nachhinein gerne hätten, wäre ein grosser, unterirdischer Wassertank. So haben wir einfach viele oberirdische Tanks, in denen wir das Regenwasser zum Giessen sammeln. Auch schwierig empfinden wir es, allem gerecht zu werden und in den Sommerferien einmal entspannt etwas länger wegzubleiben.

Welche Veränderungen im Gartenleben konntet ihr beobachten?

Spannend zu sehen sind Pflanzenwanderungen; manches zieht ganz von alleine an den Platz, an dem es sich wohlfühlt und gedeihen kann, wie zum Beispiel die Goldmelisse. Dann kommen sie dann aber so richtig. Generell die Änderung mit den Jahreszeiten, und auch was an Tieren alles vorbeikommt: Molche, laichende Kröten und Frösche, Igel und Blindschleichen. Nur auf die Eidechsen warten wir bisher noch vergebens...

Was ist in Zukunft noch geplant?

Im Moment fasziniert das Pfropfen; Andi hat bei ProSpecieRara einen Kurs belegt, und nun wird geschaut, was sich an Äpfeln alles veredeln lässt. Sonst haben wir gerade kürzlich noch Natternköpfe bestellt (nicht nur spezialisierte Wildbienenen, auch zahlreiche Schmetterlinge besuchen den Natternkopf). Aber ansonsten sind wir eher im Modus einmal das zu erhalten, was wir schon haben und uns daran zu erfreuen.

 

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung und vielen Dank, dass Ihr mit Eurem Garten als Biodiversitäts-Vorbild wirkt, Fränzi und Andi!

Schmaler Gartenweg mit höher stehender Wiese als Lebensraum für Insekten | © Andermatt Biogarten AG

Zwischen Wiese und Weg gibt es einen Streifen mit Steinen und blühenden Pflanzen. Auch auf schmalem Raum entsteht so ein wertvoller Lebensstreifen. Blühende Pflanzen bieten Nahrung für Insekten, während dichtere Bereiche Schutz und Rückzugsorte schaffen. Der schmale Gartenabschnitt wird so zu einem wichtigen Trittstein für die Biodiversität.

Gemüsefenchel zwischen Stauden als Futterpflanze für Schwalbenschwanz-Raupen | © Andermatt Biogarten AG

Dieser Gemüsefenchel wird hier bewusst nicht für die Ernte angebaut, sondern als Futterpflanze für die Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings. Auch Wilder Fenchel eignet sich, dieser ist sogar winterhart. Zwischen Stauden verteilt gepflanzt, fügt er sich harmonisch in den Garten ein und schafft wertvolle Inseln für die Entwicklung der Raupen. So wird auf elegante Weise die nächste Generation dieser beeindruckenden Schmetterlinge gefördert.

Biotopbaum mit Bewuchs und Totholz als Lebensraum für Tiere | © Andermatt Biogarten AG

Mit Kletterpflanzen am Biotopbaum entsteht ein vielschichtiger Lebensraum, der zahlreichen Insekten, Vögeln und anderen Tieren Nahrung und Unterschlupf bietet. Rinde, Totholz und dichte Vegetation schaffen wertvolle Strukturen und machen den Baum zu einem zentralen Element für die Vielfalt.

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Auf der Ausschreibung zum Biodiversitätsgarten sind alle Informationen inklusive Link zur Anmeldung zu finden. Wir freuen uns!

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