Lieblingsprojekt:
Der Lebensturm ist besonders beliebt; beim Bau konnte Sohn Mias gut mithelfen und seinen umfangreichen Wissensschatz einfliessen lassen.
Für Monika ist es der Naturweiher mit der Mauer hintendran, und die Heckenelemente mit den Kopfweiden.
Aber auch die Benjeshecke ist beliebt, da sie das Umfeld zum Nachbauen anstiften konnte, und so das biodiverse Gärtnern über die eigenen Gartengrenzen hinausträgt.
Monika Wullschleger: Wir sind quasi damit aufgewachsen, meine Eltern (und Bennos auch) sind sehr naturverbunden und haben mir viel mit auf den Weg gegeben. Dieses Interesse möchte ich jetzt auch sehr gerne an meine Kinder weitergeben, deshalb freut es mich sehr, dass sie den Garten ebenfalls mitgestalten und dies weitertragen.
Das kam alles Schritt für Schritt, wir hatten keinen fixen Plan am Anfang, nach dem wir strikt vorgegangen sind. Einiges geschieht passiv und ist sehr einfach umzusetzen, wie das Stehenlassen vieler Pflanzen im Herbst, anderes geschieht aktiv, wie das Bereitstellen von zahlreichen Wasserstellen (dafür lohnt es sich, genügend Regenwasser zu sammeln) oder das Anbringen von Gitterschächten zum Schutz von Kleintieren. Eines der ersten grösseren Projekte war die Trockensteinmauer. Durch einen Sturm ist die Trauerweide an diesem Ort gekippt, da haben wir uns gefragt, was man an der Stelle Schönes machen kann, wie man diese freigewordene weisse Leinwand nutzen soll. Beim Bau haben wir unten extra einige Plätzchen freigelassen, darin können Tiere überwintern. Verschiedene Lebensphasen brauchen immer verschiedene Strukturelemente.
Wer ein etwas kleineres Startprojekt sucht, dem sei Totholz empfohlen: Ein Baumstamm senkrecht aufgestellt bietet schnell Unterschlupf oder Nistmöglichkeit für Insekten (einige Löcher haben wir vorgebohrt, andere sind von den Tieren hinzugekommen). Für eine Ruderalfläche eignet sich die Stelle entlang des Gartenhages ganz gut, das können wir empfehlen. Und das Errichten eines Lebensturms begeistert alle Familienmitglieder. Wer es ganz einfach will; einfach mal den Rasen nicht mehr überall mähen, sondern kleine Wege anlegen.
Ab und zu kommen in der Nachbarschaft verschiedene Bedürfnisse zusammen, zum Beispiel, wie sehr eine Hecke gestutzt sein soll, hier finden halt alle etwas anderes schön, das ist manchmal schwierig. Andere übernehmen aber auch einmal eine Idee, wie die Benjeshecke, was natürlich sehr schön ist. Einige tierische Bewohner sind bei uns eher unerwünscht, wie Katzen, da funktioniert ein Verscheuchen ganz gut. Bei anderen klappt das weniger, Schnecken lassen sich davon zum Beispiel nicht beeindrucken.
Dann braucht es teilweise etwas Geduld- während der Fenchel von den Schmetterlingen gut zur Eiablage angenommen wird, scheint bei den Brennnesseln gar nichts zu passieren. Das kann man aber einfach relaxed sehen.
Wenn man etwas umgestalten will, aber unsicher ist oder die Zeit fehlt, kann man sich beim Gärtner gut Hilfe holen, es gibt inzwischen ganz tolle Betriebe, die biodiversitätsfreundliche Massnahmen umsetzen.
Mit der Zeit wurde alles ein bisschen wilder, und mit der Wildheit kommen auch die Tiere, wie zum Beispiel Eidechsen. Die Brombeeren sind ein wahrer Insektenmagnet, auch die C-Falter haben ihre Freude daran. Beim Rasen haben wir versucht ihn mithilfe von Klappertopf etwas abzumagern, nun konnte sich auch der Natternkopf ansiedeln und wandert etwas herum. Allgemein gibt es nun mehr Leben im Garten und mehr verschiedene Vögel, wie Gartenrotschwänze, Bunt- und Schwarzspechte, auch die Eule oder der Milan kommt einmal vorbei. Da einige Baumsamen herbeigeweht wurden und sich angesiedelt haben, ist nun auch die Hitze viel weniger stark. Natürlicher Baumschatten kühlt am besten, nicht nur das Umfeld, sondern auch aufs Hausinnere wirkt sich das aus. Das steigert die Lebensqualität enorm.
Der Teich und die Ruderalfläche sind noch recht neu, daran erfreuen wir uns im Moment gerade sehr. Sonst haben wir schon recht viel umgesetzt und gerade nichts Konkretes geplant, aber man weiss nie. Auf einmal sieht oder hört man von etwas, das man Zuhause auch ausprobieren will.
Auf schmalem Platz wurden hier ganz viele Lebensräume geschaffen. Der Platz an der Hausmauer ist sonnig und geschützt, ideal als Nistplatz für ganz viele Wildbienen. Neben den sonnenliebenden Stauden sind viele Stellen im Boden noch offen und gut zugänglich, auch in der Mauer hat es zahlreiche Ritzen, die als Unterschlupf und Versteck genutzt werden können.
Vereinzelter Bewuchs an Natursteinmauern etabliert sich normalerweise automatisch- es wächst, was gut mit den Bedingungen klar kommt.
Oben: Im Teich fühlen sich zahlreiche Wassertiere wohl. Die aus dem Wasser herausragenden Pflanzen machen es den Libellen möglich, sich hier erfolgreich fortzupflanzen.
Rechts: Hier wurde der Steinhaufen in eine Gitterstruktur integriert, auf dessen Dach gleich noch ein Angebot an Totholz und offenem Boden besteht. Im Vordergrund ein Miniteich als Wasserstelle und Trinkgelegenheit für viele der Gartentiere. Auch die Pflanzziegel bleiben nicht ungenutzt und beherbergen mit der Brennnessel eine prima Raupenpflanze.
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