Erntedank! Herbstzauber im eigenen Küchengarten

Wenn der Herbst Einzug hält, wird der eigene Gemüsegarten zu einem Ort der Fülle. Es ist Erntezeit und Zeit, die Früchte monatelanger Pflege zu geniessen. Vieles wird gleichzeitig reif, und plötzlich steht die Küche voll.

Von saftigen Tomaten und knackigen Äpfeln bis hin zu reifen Kürbissen und aromatischen Kräutern – die pure Naschgartenvielfalt. Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan. In der Gartenküche wird die Ernte zu köstlichen Kreationen verarbeitet. Ob für den direkten Frischegenuss auf dem Teller, unverarbeitet im Lagerregal oder im Sandlager im Keller, tiefgefroren, getrocknet oder eingekocht – die leckerste «Küchensaison» des Jahres läuft im Herbst zur Höchstform auf.

Eingemachte Konfitüren, herzhafte Chutneys und die Essiggurken fürs winterliche Raclette füllen die Vorratsschränke, Gemüse wird eingelegt und eingefroren, damit der Geschmack des Sommers auch in den kalten Monaten erhalten bleibt. Frische Kräuter verleihen den Gerichten ein unverwechselbares Aroma oder werden zum wohltuenden, wärmenden Tee nach Gartenarbeiten im Winter.

Der Herbst im eigenen Gemüsegarten bedeutet nicht nur reiche Ernte, sondern auch Freude an der Zubereitung selbstgemachter Köstlichkeiten. Jetzt werden die Früchte der Arbeit in der Natur zu kulinarischem Genuss. Vielleicht auch zu allerlei Ingredienzien für die Hausapotheke und die «Gärtner:innen-Wellness».

Kind hält frisch geerntete Karotten und freut sich

Ernte konservieren oder lagern?

Bevor das erste Glas sterilisiert wird, lohnt sich ein Blick in den Keller. Denn das meiste Wintergemüse muss gar nicht konserviert werden. Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Kürbis, Kabis und Lageräpfel halten sich im richtigen Raumklima monatelang. Ohne Strom, ohne Gläser, ohne Aufwand. Konserviert wird das, was sich nicht lagern lässt: Tomaten, Beeren, Bohnen, Kräuter. Und alles, was schlicht zu viel geworden ist.

Die Faustregel

  • Fest, mit intakter Schale und von Natur aus auf Überwinterung ausgelegt? Ab in den Keller.
  • Weich, saftig, blattig oder in drei Tagen überreif? Ab ins Glas, in die Truhe oder ins Dörrgerät.

Wie das Lagern funktioniert, mit welchen Klimazonen und welchen Nachbarn welches Gemüse zusammenliegen darf, steht ausführlich in Episode 3 der Selbstversorger-Serie.

Das Prinzip hinter den Konservierungsmethoden

Es gibt ein Stück Wissen, das die meisten Rezepte überflüssig macht. Im Kern geht es beim Konservieren nämlich immer um dieselbe Frage: Wie macht man es den Mikroorganismen ungemütlich?

Bakterien, Hefen und Schimmelpilze brauchen vier Dinge, um Lebensmittel zu zersetzen:

  • Wasser
  • Wärme
  • Nährstoffe
  • Ein einigermassen neutrales Milieu, also nicht zu sauer und nicht zu salzig

Die folgenden Konservierungsmethoden nehmen den unerwünschten Mikroorganismen genau eines davon weg.

Methode Was sie entzieht
Trocknen das Wasser
Einfrieren die Wärme
Einkochen erst Hitze zum Abtöten, dann den Luftzutritt
Einlegen in Essig das neutrale Milieu, durch Säure von aussen
Fermentieren das neutrale Milieu, durch Salz und selbst erzeugte Säure
Konfitüre und Sirup das freie Wasser, das der Zucker bindet
Öl und Alkohol den Sauerstoff beziehungsweise das Milieu
Destillieren Wasser und Nährstoffe zugleich – übrig bleibt fast nur der Duftstoff

Die Destillation ist dabei der Sonderfall. Sie nimmt gleich zwei Faktoren auf einmal weg, weil sie den Wirkstoff von der restlichen Pflanze trennt. Das erklärt, warum ein ätherisches Öl jahrelang hält. Und es erklärt auch, warum das Hydrolat, das dabei ebenfalls anfällt, sich genau umgekehrt verhält. Mehr dazu bei der Methode selbst.

Wer das einmal verstanden hat, kann bei jedem Rezept einschätzen, worauf es ankommt. Und merkt sofort, wenn etwas nicht stimmt.

Ein Beispiel: Ein Kräuteröl entzieht dem Kraut kein Wasser. Liegen frische, wasserhaltige Kräuter unter Öl, entsteht eine luftdichte, feuchte, nährstoffreiche und neutrale Umgebung. Also genau das, was die problematischen Bakterien suchen. Warum das heikel ist, steht weiter unten im Sicherheitskapitel.

Und noch etwas fällt beim Blick auf die vier Faktoren auf. Die Methoden unterscheiden sich nicht nur im Aufwand, sondern auch darin, wie lange sie Energie brauchen. Die Tiefkühltruhe entzieht die Wärme dauerhaft und kostet deshalb das ganze Jahr Strom. Ein Glas Sugo kostet einmal Energie beim Einkochen und danach jahrelang nichts mehr. Fermentieren braucht überhaupt keine. Wer seinen Vorrat klug mischt, spart nicht nur Platz.

Die neun Methoden zum Konservieren

Die Erntevielfalt des eigenen Gartens das ganze Jahr über geniessen

Manchmal übersteigt die Ernte aus dem eigenen Garten unsere Essgewohnheiten und die Frage stellt sich, wie diese Fülle bewahrt werden kann. Es folgen Möglichkeiten, den Überschuss in leckeren Genuss zu verwandeln – bis die nächste Ernte im kommenden Jahr Nachschub liefert und sich der Vorrat erneut auffüllen lässt.

Trocknen – die älteste Methode der Welt

Wasser weg, Haltbarkeit da. Trocknen funktioniert an der Luft, im Backofen bei leicht geöffneter Tür oder im Dörrgerät.

Blanchierte Bohnen auf dem Dörrsieb | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Die Temperatur entscheidet über den Geschmack:

  • Kräuter: 35 bis 40 °C. Darüber verflüchtigen sich genau die ätherischen Öle, für die man morgens aufgestanden ist. Heisser trocknen heisst schneller fertig, aber geschmacklos.
  • Obst: 50 bis 60 °C.
  • Gemüse: 50 bis 70 °C, je nach Wassergehalt.
  • Pilze: 45 bis 50 °C.

Fertig ist es, wenn nichts mehr biegsam ist und beim Brechen knackt. Danach zwei Tage in einem Glas nachreifen lassen und täglich prüfen. Bildet sich Kondenswasser, war es noch nicht trocken genug und muss zurück ins Gerät.

Was sich gut dörren lässt:

  • Obst: Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Kirschen, Feigen, Trauben, Maulbeeren, Aronia, Heidelbeeren, Erdbeeren, Hagebutten
  • Gemüse: Tomaten, Peperoni, Chili, Zucchetti, Randen, Karotten, Sellerie, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Kürbis, Mais, Erbsen
  • Pilze aller Art
  • Kräuter und Blüten: alle Küchenkräuter, dazu Holunderblüten, Ringelblumen, Malve, Lindenblüten und Rosenblätter für den Teevorrat

Dörrbohnen sind ein Sonderfall – und ein Stück Schweizer Küchengeschichte. Früher wurden die Bohnen aufgefädelt und über dem Kachelofen getrocknet. Wichtig ist die Reihenfolge: Bohnen zuerst ein paar Minuten blanchieren, dann trocknen. Denn das darin enthaltene Phasin zerfällt erst ab etwa 70 °C, und Trocknen allein wird nie so heiss. Das Blanchieren verkürzt nebenbei die Dörrzeit. Vor dem Kochen werden Dörrbohnen über Nacht eingeweicht, das Einweichwasser weggeschüttet und die Bohnen mindestens zehn Minuten durchgekocht.

Nüsse: Müssen nach der Ernte zuerst vollständig trocknen, bevor sie ins Lager kommen, sonst schimmeln sie in der Schale. Geröstet werden sie erst kurz vor dem Verzehr. Dann sind sie Snack und Backzutat zugleich.

Einfrieren – schnell und schonend, aber nicht gratis

Die einfachste Methode, und die mit dem besten Vitaminerhalt. Drei Dinge lohnt es sich zu wissen.

Warum blanchieren? In Gemüse stecken Enzyme, die auch bei minus 18 °C langsam weiterarbeiten. Nach ein paar Monaten führt das zu Fehlaromen, Farbverlust und Vitaminabbau. Bei Bohnen, Kefen und Erbsen kommt ein zweiter Grund dazu: Sie enthalten Phasin, ein giftiges Eiweiss, das Kälte nicht beeindruckt. Erst Hitze macht es unschädlich.

Wie lange? Bohnen 3 Minuten, Karotten 2 bis 3, Brokkoli 3, Spinat 1 bis 2. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem das Wasser wieder sprudelnd kocht. Danach sofort ins Eiswasser, und zwar etwa gleich lang, wie blanchiert wurde. Gut abtropfen lassen, erst dann einfrieren.

Nicht blanchieren muss man Kräuter, Peperoni, Kürbis, Pilze, Zwiebeln und Knoblauch.

Keine Eisklumpen: Beeren und kleinteiliges Gemüse einzeln auf einem Blech vorfrieren und erst danach abfüllen. So lässt sich portionsweise entnehmen, statt einen Block zu zerhacken.

Nicht einfrieren: rohe Kartoffeln, Salat, Radieschen, Gurken. Alles mit sehr hohem Wassergehalt und knackiger Struktur wird beim Auftauen matschig.

Portionieren nach Rezeptgrösse und beschriften mit Inhalt und Datum. Klingt banal, erspart aber die «Was ist das denn?»-Momente im Februar.

Kräuter lassen sich auch in Eiswürfelformen mit Wasser einfrieren. Beeren kommen direkt nach der Ernte in die Truhe oder werden gleich zu Eis für spätere Desserts verarbeitet.

Einkochen – einmal Aufwand, dann Ruhe

Beim Einkochen wird das Glas erhitzt, die Mikroorganismen werden abgetötet, und beim Abkühlen entsteht ein Unterdruck, der den Deckel dicht anzieht. Danach ist das Glas jahrelang haltbar, ohne Strom.

Kürbischutney im Glas eingekocht | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Die entscheidende Unterscheidung:

  • Säurehaltiges wie Obst, Konfitüre, Tomatensugo und alles Eingelegte lässt sich im Wasserbad sicher einkochen. Die Säure erledigt den Rest.
  • Säurearmes Gemüse wie Bohnen, Karotten, Erbsen, Mais und Kürbis ist heikler. Dazu gleich mehr im Sicherheitskapitel.

Beim Abfüllen entscheidet der Glasrand. Ein einziger Tropfen Sugo oder Konfitüre auf der Dichtfläche reicht, und das Glas wird nicht dicht. Also Trichter benutzen und den Rand vor dem Verschliessen sauber abwischen. Heisses Füllgut kommt in warme Gläser, nie in kalte – Einkochglas verträgt einen Temperatursprung von etwa 50 bis 60 Grad, darüber springt es.

Und dann kommt der Teil, den man gern unterschätzt: das Abkühlen. Genau dabei entsteht ja der Unterdruck, der das Glas verschliesst. Die Gläser deshalb auf ein Holzbrett oder ein gefaltetes Tuch stellen, nie auf eine kalte Steinplatte, und Zugluft konsequent vermeiden. Streicht kalte Luft ungleichmässig über heisses Glas, entstehen Spannungen und im schlimmsten Fall Risse.

Danach heisst es: Finger weg. Die Dichtung – Gummiring oder Deckelmasse – braucht rund zwölf bis vierundzwanzig Stunden, bis sie in der vom Vakuum verformten Position ausgehärtet ist. In dieser Zeit werden die Gläser nicht bewegt, nicht abgewischt und nicht angehoben. Erst wenn alles Zimmertemperatur hat, kommen Etikett und Datum drauf und der Vorrat wandert ins Regal.

Woran erkennt man, dass es geklappt hat? Der Deckel ist nach dem Abkühlen leicht nach innen gewölbt und lässt sich nicht eindrücken. Bei Bügelgläsern hält der Glasdeckel, auch wenn man die Klammer löst. Was nicht dicht ist, kommt in den Kühlschrank und wird zuerst gegessen.

Eingekocht wird längst nicht nur Konfitüre. Im Glas entstehen auch komplette Mahlzeiten für unterwegs, für die Znünibox oder fürs Büro. Wie wär's mit einer wärmenden Portion süsser Polenta mit Apfel-Feigen-Kompott? Oder lieber ein herzhafter Bohnensalat, oder etwas mittendrin wie ein Apfel-Randen-Salat mit Holunderblüten-Essig-Dressing?

Einlegen in Essig – der schnelle Weg

Säure senkt den pH-Wert so weit, dass die meisten Bakterien aufgeben. Zwei Dinge sind dabei wichtig.

Eingemachte Kapuzinerkresse-Samen als falsche Kapern in Essig | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Der Essig braucht mindestens 5 % Säure. Normaler Haushaltsessig erfüllt das, ein milder Balsamico oder ein selbst angesetzter Kräuteressig unter Umständen nicht.

Am Mischverhältnis wird nicht gespart. Wer den Sud milder haben möchte, gibt etwas mehr Zucker dazu, statt den Essiganteil zu senken. Denn die Säure ist es, die konserviert. Und alles muss vollständig vom Sud bedeckt sein. Was oben herausschaut, ist ungeschützt.

Klassiker sind Essiggurken, Randen, Peperoncini, Zwiebeln und süss-saurer Kürbis. Nach zwei bis drei Wochen Durchziehen schmeckt es deutlich besser als am ersten Tag.

Ein Hinweis zum Topf: Kein Aluminium, Kupfer oder Messing. Die Säure löst diese Metalle an, und das schmeckt man. Edelstahl, Glas oder emailliertes Geschirr sind die richtige Wahl.

Essig aromatisieren – die Spielwiese

Neben dem Einlegen gibt es die zweite, viel einfachere Übung: Essig selbst zum Aromaträger machen. Früchte, Kräuter oder Blüten in gutem Essig ansetzen, ein paar Wochen ziehen lassen, abseihen, fertig.

Beim Grundessig lohnt sich Qualität. Ein guter Bio-Apfelessig oder ein heller oder dunkler Weinessig sind die richtige Basis. Anders als beim Einlegen, wo Zucker und Gewürze mitreden, bleibt der Essig hier fast pur – sein Eigengeschmack ist am Ende die halbe Kreation. Wer hier spart, schmeckt es im Resultat.

Besonders schön wird es mit getrockneten Früchten. Man lässt sie im Essig langsam warm ziehen und siebt sie danach ab. Das ergibt einen dichten, konzentrierten Essig, der spezielle Salate trägt und hervorragend zu Käse passt.

Und dahinter steckt derselbe Gedanke wie im ganzen Kapitel. Frische Früchte bringen Wasser mit und verdünnen damit die Säure – der Essig wird nicht nur milder, sondern auch anfälliger. Getrocknete Früchte bringen kein Wasser mit. Der Säuregehalt bleibt, wo er war, und mit ihm die Haltbarkeit. Die Wärme beschleunigt nur, was ohnehin passieren würde.

Auch hier lohnt sich eine Probeserie. Mehrere kleine Gläser, verschiedene Kombinationen, alles angeschrieben mit Zutat und Ansatzdatum. Holunderblüten, Estragon, Himbeeren, Quitte, getrocknete Tomaten, Chili, Zitronenschale – die Liste ist so lang wie der Garten hergibt.

Der fertige Essig steht kühl und dunkel und hält sich gut ein Jahr, meist länger. Sonnenlicht schadet ihm nicht in der Haltbarkeit, aber es bleicht die Farbe aus – und die ist bei einem Himbeeressig die halbe Freude.

Fermentieren – ohne Strom und ohne Hitze

Fermentieren ist das kleine Wunder unter den Konservierungsmethoden. Kein Strom, keine Hitze, keine Spezialausrüstung. Milchsäurebakterien, die ohnehin auf dem Gemüse sitzen, machen die Arbeit. Sie wandeln Zucker in Milchsäure um, der pH-Wert sinkt, und damit konserviert sich das Gemüse praktisch selbst.

Das Beste am Fermentieren ist, dass keine Hitze im Spiel ist. So bleibt das hitzeempfindliche Vitamin C erhalten, statt zerstört zu werden. Dazu kommen die Milchsäurebakterien selbst, die als Beitrag zu einer gesunden Darmflora gelten. Sauerkraut war nicht ohne Grund der Winter-Vitaminlieferant Europas. James Cook nahm es 1775 fassweise auf seine Weltumsegelung mit und brachte seine Mannschaft ohne Skorbut nach Hause.

Die einzige Regel, die man wirklich braucht: 2 % Salz. Also 20 Gramm Salz auf 1 Kilogramm Gemüse. Fein hobeln oder schneiden, salzen, kräftig kneten oder stampfen, bis Saft austritt, ins Glas drücken, bis alles unter der Flüssigkeit steht, beschweren, fertig. Ein paar Tage bei Raumtemperatur anfermentieren lassen, dann kühl stellen.

Die goldene Regel: Alles bleibt unter der Lake. Was Luft bekommt, schimmelt. Ein Gewicht oder ein sauberes Kohlblatt als Deckel löst das Problem.

Was sich eignet: Weisskabis für Sauerkraut, Rotkabis, Karotten, Randen, Blumenkohl, Bohnen, Gurken, Peperoni. Eigentlich fast alles Feste. Blattsalate und Zucchetti eher nicht, die werden matschig.

Kahmhefe oder Schimmel? Eine dünne, matte, glatte Schicht auf der Oberfläche ist meist Kahmhefe. Die ist harmlos, wird abgeschöpft, und danach beschwert man das Gemüse besser. Pelzig, farbig und flaumig dagegen ist Schimmel, und dann kommt das ganze Glas weg.

Vertrau deiner Nase. Fermentiertes Gemüse riecht säuerlich und frisch. Riecht es faulig, muffig oder hefig, kommt es weg. Dein Geruchssinn ist der bessere Sensor als jede Anleitung.

Mit Zucker konservieren

 

Beerenkonfitüre beim Abkühlen | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Konfitüre und Gelee

Zucker bindet das freie Wasser, und deshalb hält Konfitüre. Fest wird sie davon allein aber nicht.

Zum Gelieren müssen drei Dinge zusammenspielen. Pektin bildet das Netz. Säure bringt es dazu, sich zu verbinden. Und Zucker zieht das Wasser an sich, damit sich das Netz überhaupt schliessen kann. Fehlt eines davon, bleibt die Konfitüre flüssig.

Pektin steckt in der Frucht selbst, allerdings höchst ungleich verteilt. Und genau daran scheitern die meisten Versuche.

Geliert fast von selbst Quitten, Äpfel, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Hagebutten
Geliert mit etwas Zitronensaft Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche
Braucht Unterstützung Erdbeeren, Kirschen, Holunderbeeren, Feigen, Trauben, Rhabarber

 

Die Feige zum Beispiel macht es einem nicht leicht. Süss, üppig, vollmundig – und beim Gelieren stellt sie sich quer. Ihr fehlen Pektin und Säure, also gleich zwei der drei Zutaten. Das heisst aber nicht, dass es nicht geht. Es heisst nur, dass sie Gesellschaft braucht.

Die Lösung wächst meist im selben Garten. Ein geriebener Apfel, ein Löffel Quittenmark oder Zitronensaft bringt zurück, was der Frucht fehlt. Beim Quittenkochen lohnt es sich besonders, Schalen und Kerngehäuse in einem Mulltuch mitzukochen. Dort sitzt das meiste Pektin, und was übrig bleibt, rettet später die Erdbeerkonfitüre.

Und der Zucker? Weniger Zucker heisst weicheres Gelee und kürzere Haltbarkeit. Beides hängt zusammen, weil Zucker im Glas zwei Aufgaben hat. Konfitüren mit 3:1-Gelierzucker gehören deshalb nach dem Öffnen zügig verbraucht und generell in den Kühlschrank.

Sirup

Der Klassiker für Holunderblüten, Holunderbeeren, Johannisbeeren und Minze. Es ist dasselbe Prinzip wie bei der Konfitüre, nur ohne Pektin. Der Zucker allein bindet das Wasser, und der Anteil ist hoch genug, dass es auch ohne eigentliche Gelierung reicht.

In sterile Flaschen abgefüllt, hält Sirup problemlos ein Jahr. Nach dem Öffnen gehört er in den Kühlschrank. Wer den Zucker reduziert, sollte kleine Flaschen abfüllen und sie zügig verbrauchen.

Mit Öl konservieren

Chilis eingelegt in Öl | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Öl ist der Sonderfall unter den Methoden, und das aus einem Grund, der im Prinzip weiter oben schon steckt. Öl entzieht nämlich nichts. Es legt sich nur als Deckel über die Zutaten und sperrt den Sauerstoff aus. Wasser, Nährstoffe und neutrales Milieu bleiben, wie sie sind.

Deshalb funktioniert Öl nur als zweiter Schritt. Die Zutat muss vorher schon haltbar gemacht worden sein, durch Trocknen oder Einsalzen. Getrocknete Tomaten, getrocknete Kräuter, geröstete Peperoni, getrocknete Chili – alles gut. Frische, wasserhaltige Zutaten dagegen sind der klassische Fehler, und warum, steht im Sicherheitskapitel.

Welches Öl? Ein neutrales Raps- oder Sonnenblumenöl oder ein mildes Olivenöl. Kaltgepresste Spezialöle bringen so viel Eigengeschmack mit, dass vom Kraut wenig übrig bleibt.

Das Öl selbst ist das Verfallsdatum. Licht, Wärme und Sauerstoff machen es ranzig, und daran ändert auch der beste Inhalt nichts. Also dunkle Flasche, kühler Ort, gut verschlossen. Nach drei bis vier Wochen Ziehzeit lohnt es sich, die Kräuter abzuseihen. Das verlängert die Haltbarkeit deutlich.

Ein trübes Öl ist übrigens kein Alarmzeichen, das kann an der Kälte liegen. Ein ranziger Geruch dagegen schon. Und dann bitte nicht in den Ausguss. Öl verstopft die Abwasserleitungen und macht in der Kläranlage Probleme. Es gehört an die Wertstoffsammelstelle.

Mit Alkohol konservieren

 

Einmachglas mit Wildäpfeln in Wodka | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Ab einer bestimmten Konzentration können Mikroorganismen im Alkohol schlicht nicht mehr arbeiten. Rund 40 Volumenprozent gelten als sichere Grenze.

Und hier steckt der Denkfehler, an dem die meisten Rumtöpfe scheitern. Die Prozentzahl auf der Flasche ist nicht die im Topf. Früchte bestehen zum grössten Teil aus Wasser, und dieses Wasser verdünnt den Alkohol, sobald es austritt. Aus einem Ansatz mit 54 Prozent werden am Ende oft nur 15 bis 25. Deshalb setzt man hochprozentig an – nicht aus Übermut, sondern weil die Frucht mitrechnet.

Zucker ist die zweite Sicherung. Beim Rumtopf gehört auf zwei Teile Früchte etwa ein Teil Zucker. Er bindet Wasser und stützt damit genau dort, wo der Alkohol Prozente verliert.

Was sonst zählt: Nur einwandfreie Früchte verwenden, nichts Überreifes oder Beschädigtes. Die Früchte möglichst nicht waschen, und wenn doch, gut abtrocknen. Alles muss unter der Flüssigkeit bleiben, ein Teller oder ein Gewicht hilft. Und der Topf steht kühl und dunkel, aber nicht im Kühlschrank.

Für Liköre und Ansatzschnaps eignen sich Quitten, Zwetschgen, Schlehen und Holunderbeeren. Auch die Gartenapotheke arbeitet nach demselben Prinzip: Tinkturen lösen ihre Inhaltsstoffe in Alkohol statt in Wasser, weil manches sich nur so herauslösen lässt.

Dunkel oder ans Fenster? Die Rezepte widersprechen sich hier munter, weil sie zwei Dinge zusammenwerfen. Wärme beschleunigt die Extraktion, der Ansatz ist also früher fertig. Licht dagegen bleicht Farbstoffe und zersetzt Aromen, und das trifft ausgerechnet die roten und blauen Früchte am härtesten. Das Fensterbrett liefert beides im Paket. Am besten steht der Ansatz deshalb warm, aber dunkel – oder eingewickelt in Papier.

Wichtiger als der Standort ist ohnehin etwas anderes: regelmässig schütteln. So saugen sich die Früchte voll, der Zucker löst sich gleichmässig, und das Ausgezogene verteilt sich im Alkohol. Nach dem Abseihen dreht sich die Sache dann um. Der fertige Likör will kühl und dunkel stehen, weil jetzt nichts mehr herausgelöst, sondern nur noch bewahrt werden soll.

Alles zusammen ergibt hervorragende Weihnachtsgeschenke. Wenn du bis dahin nicht selbst drangehst. Selbstverständlich nichts für Kinder und Jugendliche.

Wen das «Likörmachen» reizt, wer sich aber noch nicht an grössere Mengen traut, nimmt einfach kleine Einmachgläser und macht eine Probeserie. Vor allem bei Kräutern ist das Resultat am Anfang eine richtige Wundertüte.

Und dazu ein Tipp, der sich auszahlt: etikettieren. Ein Stück Karton anhängen und notieren, welche Gartenzutaten drinstecken, welcher Alkohol, ob schon beim Ansetzen Zucker dazukam und wann das Ganze angesetzt wurde. Beim Abseihen kommen das Abfülldatum dazu und die Frage, ob nachgesüsst wurde.

So entstehen ganze Testreihen. Und an der nächsten Gartenparty wird eine Degustationsserie daraus – dann weisst du, was an Weihnachten punkten könnte.

Destillieren – Duft und Wirkung konservieren

 

Kupferdestille im Einsatz in der Küche | © zaubergaertli-gartenkeramik.ch

Die neunte Methode arbeitet mit einem Träger, den keine andere nutzt: mit Wasserdampf. Er zieht durch das Pflanzenmaterial, nimmt die flüchtigen Stoffe aus den Zellen mit und gibt sie beim Abkühlen wieder ab.

Beim Auffangen trennt sich das Kondensat von selbst in zwei Schichten. Oben schwimmt das ätherische Öl, unten steht das Hydrolat, auch Pflanzenwasser genannt. Rosen, Lavendel, Melisse, Pfefferminze und Rosmarin sind die Klassiker.

Und hier wird die Vier-Faktoren-Regel besonders anschaulich. Aus einem einzigen Vorgang entstehen zwei Produkte mit gegensätzlichen Ansprüchen. Das ätherische Öl enthält weder Wasser noch Nährstoffe – dort kann schlicht nichts wachsen, und es hält jahrelang. Das Hydrolat dagegen besteht fast nur aus Wasser. Es ist damit das empfindlichste Erzeugnis dieser ganzen Seite.

Für Hydrolate heisst das: sauber arbeiten, filtern, in dunkle Flaschen abfüllen und kühl bei möglichst gleichbleibender Temperatur lagern. Temperaturschwankungen sind der Hauptfeind, weil sich Kondenswasser in der Flasche bildet. Sorgfältig hergestellt halten Hydrolate ein halbes bis zwei Jahre. Ohne diese Sorgfalt gehören sie in den Kühlschrank und sind eine Sache von Tagen bis Wochen. Trübung, Schlieren oder ein veränderter Geruch heissen: weg damit.

Ein frisch destilliertes Hydrolat braucht übrigens Zeit. In den ersten Wochen riecht es oft noch eigenartig, manchmal fast schwefelig. Erst danach rundet sich der Duft – ein bisschen wie bei einem Essigansatz, der auch nicht am ersten Tag am besten schmeckt.

Und dann fängt der spannende Teil erst an. Hydrolate aromatisieren Drinks, geben Sorbets und Desserts einen Ton, den kein Sirup hinbekommt, und lassen sich ebenso in der Körperpflege einsetzen. Ätherische Öle sind das Konzentrat davon – ein Hauch Zitrone oder Orange im Gebäck, dort wo ein Abrieb schlicht zu wenig hergibt.

Zwei Dinge sind dabei zu beachten. Das Öl muss als lebensmitteltauglich ausgewiesen sein, und dosiert wird in Tropfen, nicht in Teelöffeln. Ein Tropfen zu viel, und das Gebäck schmeckt nach Putzmittel.

Warum Hydrolate die verträglichere Wahl sind

Der Unterschied zwischen den beiden Produkten ist nicht nur einer des Duftes, sondern einer der Konzentration. Ein ätherisches Öl ist hoch konzentriert und muss fast immer verdünnt werden. Ein Hydrolat bringt dieselben Pflanzenstoffe in stark verdünnter, wasserlöslicher Form mit. Deshalb gilt es als die mildere Variante – auch für empfindliche Menschen, Allergiker:innen und Kinder.

Bei Katzen ist es keine Frage der Vorsicht, sondern des Stoffwechsels. Ihnen fehlt in der Leber ein Enzym, mit dem wir Terpene und Phenole abbauen – und genau daraus bestehen ätherische Öle zum grossen Teil. Die Stoffe verschwinden also nicht, sie reichern sich an. Kritisch sind besonders Zitrus- und Nadelbaumdüfte, dazu Teebaum, Eukalyptus, Pfefferminze und Zimt. Auch der Diffuser ist keine Lösung, weil sich das Öl im Fell absetzt und beim Putzen aufgenommen wird.

Hunde bauen die Stoffe zwar ab, sind aber trotzdem empfindlich. Bei ihnen liegt das Problem woanders: bei der Nase. Ein Duft, den wir als angenehm empfinden, kann für einen Hund schlicht erdrückend sein. Dazu kommen einzelne Öle, die auch für Hunde giftig sind – Teebaumöl ist die häufigste Vergiftungsursache, ebenfalls heikel sind Wintergrün, Poleiminze, Nelke und Zimt. Grundregel: nie unverdünnt aufs Fell, nie zum Einnehmen, und der Hund muss den Raum jederzeit verlassen können.

Hydrolate sind bei beiden die deutlich bessere Wahl. Aber auch sie gehören sparsam eingesetzt und nicht in den Diffuser. Und wer ein Tier mit einem Duft begleiten möchte, lässt es zuerst selbst daran schnuppern. Tiere sagen recht deutlich, was ihnen zusagt.

Sicher konservieren

Vier Dinge, die man wissen sollte. 

Säurearmes Gemüse braucht mehr als ein Wasserbad

Bohnen, Karotten, Erbsen, Mais und Kürbis sind säurearm. Ihr pH-Wert liegt über 4,6, und genau das ist die Grenze, ab der es kritisch wird. Im luftdichten Glas können hier Sporen von Clostridium botulinum überleben und ein Nervengift bilden. Selten, aber mit ernsten Folgen. Das Wasserbad erreicht höchstens 100 °C und wird damit schlicht nicht heiss genug. Nötig wären über 120 °C.

Sichere Alternativen: ansäuern und sauer einlegen, einfrieren, fermentieren oder einen Druckeinkocher verwenden.

Faustregel: Gläser, die sich wölben, trüb sind, komisch riechen oder beim Öffnen zischen, kommen ungeöffnet weg. Nicht probieren.

Kräuteröl mit frischen Kräutern nur kühl und kurz

Aus demselben Grund. Frische Kräuter unter Öl bilden eine sauerstofffreie, feuchte Umgebung, also genau das Milieu, das man vermeiden will. Dasselbe gilt für Knoblauch in Öl. Für Vorräte deshalb ausschliesslich getrocknete Zutaten verwenden. Frisch angesetztes Öl kommt in den Kühlschrank und wird innerhalb weniger Tage verbraucht.

Schimmel auf Konfitüre: ganzes Glas weg

Der berühmte Rat, den Schimmel einfach abzuschöpfen, ist überholt. Schimmelpilze bilden feine Geflechte weit unter der sichtbaren Oberfläche, und einige produzieren Giftstoffe, die auch Erhitzen überstehen. Bei weichen und feuchten Lebensmitteln gilt: komplett entsorgen.

Grüne Kartoffeln und ausgetriebene Knollen

Grün heisst Solanin. Grüne Stellen grosszügig wegschneiden, stark ergrünte Kartoffeln entsorgen. Keime lassen sich abbrechen, solange die Knolle fest ist. Wird sie weich und schrumpelig, ist sie durch.

Checkliste zum Haltbarmachen der Gartenernte

  • Rechtzeitig ernten: Reife, aber nicht überreife Früchte und Gemüse auswählen. Das entscheidet über Geschmack und Haltbarkeit.
  • Gründlich reinigen: Die Ernte sorgfältig waschen, abreiben oder abbürsten, um Erde, Insekten und Rückstände zu entfernen. Wichtig: Das gilt fürs Konservieren. Gemüse, das eingelagert wird, wird ausdrücklich nicht gewaschen, weil die feine Erdschicht es vor Feuchtigkeitsverlust und Fäulnis schützt.
  • Geeignete Behälter: Lebensmittelechte, saubere und luftdichte Gläser, Dosen oder Beutel verwenden.
  • Passende Methode wählen: Je nach Erntegut entscheiden, ob Einkochen, Einfrieren, Trocknen, Einlegen oder Fermentieren infrage kommt.
  • Richtig lagern: Konserviertes kühl, trocken und dunkel aufbewahren.
  • Beschriften: Inhalt und Datum auf jedes Glas. Im Februar ist man dankbar dafür.
  • Hygiene: Saubere Hände, Werkzeuge und Oberflächen.
  • Haltbarkeit beachten: Die ältesten Vorräte zuerst verbrauchen.
  • Allergien berücksichtigen: Beim Einlegen und Konservieren daran denken, wer mitisst.
  • Vorsicht bei Alkohol und ätherischen Ölen: Bei Likören und destillierten Ölen auf korrekte Handhabung achten.
  • Ausprobieren: Verschiedene Methoden testen. Am meisten lernt man am zweiten Glas.

Häufige Fragen zur Ernteverarbeitung

Andermatt Biogarten - Die Autor:innen unserer Gartenthemen stellen sich vor - NaSu

Hauptsache Naschgarten – für Mensch und Tier. Für Nadine hört das Gärtnern nicht am Beetrand auf: Alte Sorten, Wildobst und historische Verarbeitungsmethoden sind ihre Leidenschaft, und was der Garten liefert, landet bei ihr im Glas, im Dörrgerät oder in der Destille. Ihr Motto: «Wenn schon Gartenarbeit, dann für Essbares».

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Das Pilzmesser von Opinel ist das ideale Werkzeug für Pilzfans.