Es ist kein Geheimnis, dass wir Menschen mit mehr Rücksicht auf die Natur leben sollten. Dabei ist jeder Einzelne von uns gefragt. Was können wir also tun? Jeder kleine Fleck «Natur», der mit Blick auf die einheimische Flora und Fauna gestaltet wird, ist ein Gewinn. Egal wie gross der Garten ist – vom Fensterbrett, über Balkon bis hin zum grossen Garten.
Wir haben ein paar Informationen zusammengestellt, wie man schnell und ohne viel Aufwand damit beginnt, mehr für die Vielfalt in Fauna und Flora zu tun.
Das bietet diese Seite zum Thema Biodiversität im Garten
Dass die Zeit drängt, klingt erst mal abstrakt – bis man die Zahlen dahinter sieht und realisiert, wie es der Natur vor der eigenen Haustür wirklich geht. Und die sind in der Schweiz ernüchternd.
Ein Drittel aller Arten in der Schweiz gilt als gefährdet – und die Hälfte aller Lebensraumtypen dazu. Damit steht die Schweiz schlechter da als die meisten Nachbarländer – ein Spitzenplatz, auf den wir gern verzichtet hätten.
Verloren geht der Lebensraum dabei selten mit einem Knall, sondern leise: eine versiegelte Einfahrt hier, ein Kiesbeet statt Blühfläche dort, ein Stück Wiese weniger. Es gilt, diese Flächen zurückzuholen und wieder mit lebender Vielfalt zu füllen.
Besonders eng wird es für die Wildbienen. Fast die Hälfte der rund 600 Schweizer Wildbienenarten steht auf der Roten Liste, fast jede zehnte Art ist bereits ganz verschwunden.
Und nein – die Honigbiene rettet das nicht. Sie ist ein fleissiges Nutztier, dem es abgesehen von den Varroamilben und asiatischen Hornissen vergleichsweise gut geht. Beim Bestäuben sind die wilden Verwandten eigentlich die wahren Profis (dazu mehr bei den Mythen).
Genau hier kommst du ins Spiel. Siedlungsflächen machen rund 8 % der Schweiz aus – Gärten, Balkone und Grünflächen mitten drin. Naturnah ist davon bis heute wenig. Anders gesagt: Da schlummert eine riesige, grüne Reservefläche mit enormen Potenzial, die nur darauf wartet, aufzublühen.
Jeder Garten, der aufblüht, jeder Balkon, der summt, wird zum Trittstein in einem Netz, das heute noch viele Löcher hat. Deine Gartenecke ist also kein Tropfen auf den heissen Stein – sie ist ein fehlendes Puzzleteil.
Zahlen/Links: Stand Juli 2026
Lange Zeit versuchte der Mensch, sich die Natur zum Untertan zu machen. Die Folgen dieser Haltung sind weitreichend und das Resultat kennen wir alle. Monokulturen, verödete Landschaften und ganze Landstriche ohne nennenswertes «Grün». Dies führte zum Rückzug der Natur und einem dramatischen Verlust der Arten- und Sortenvielfalt.
Und heute? Heute erleben wir ein Umdenken. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Zusammenspiels von Mensch & Natur wächst. Unter dem Begriff Biodiversität, respektive dem neuen Bewusstsein für die Arten- und Sortenvielfalt, entstehen neue Lebensräume für Wildtiere. Dabei ist nicht nur die Vielfalt an Arten, sondern auch die genetische Vielfalt von Bedeutung. Die Zeit drängt, da immer mehr Arten – Tiere und Pflanzen – vom Aussterben bedroht sind. Schnelles Handeln und auch Eigeninitiative sind gefragt.
Monokulturen und chemische Pestizide weichen langsam – wo möglich – einem naturnahen Anbau in Form von ökologisch orientierten Anbaumethoden und Kompensationsflächen. Das Fördern von heimischen Wildtier- und Pflanzenarten ist für eine grosse Vielfalt wichtig und trägt zur Erhaltung von natürlichen Prozessen bei. Je mehr Arten gerettet werden und sich die Bestände erholen können, desto weniger Schädlinge und Krankheiten müssen bekämpft werden. Zusätzlich können die Bestäubung unserer Kulturpflanzen sowie wichtige Auf- und Abbauprozesse im Boden sichergestellt werden.
Durch bauliche Massnahmen hat der Mensch Flora und Fauna zurückgedrängt und künstliche Grenzen geschaffen. Diese unterbrechen wichtige Verbindungen zwischen den natürlichen Lebensräumen für Pflanzen und Wildtiere. Neu geschaffene und gestaltete Lebensräume, wie Gärten, können wichtige Verbindungen zwischen den «Inseln» schaffen. Diese Gärten dienen dann sozusagen als Brücken zu diesen isolierten Gebieten und schaffen so ein Verbindungsnetz für den Fortbestand vieler einheimischer Arten und Sorten. Im Grunde genommen hilft man damit nicht nur den Tieren und bedrohten Pflanzenarten, sondern auch uns Menschen.
Alle können dazu beitragen, dass sich unsere einheimischen Tiere und Pflanzen wieder in unseren Gärten wohlfühlen.
Ein naturnaher Garten kann strukturiert, chaotisch, gepflegt oder wild aussehen. Der Natur ist das egal. Wichtig ist, was gepflanzt wird und für welche Wildtiere Ruhe, Schutz und Futterzonen angeboten werden. Die Nützlinge und stillen Helfer im Garten sollen sich wohlfühlen. So tragen sie freiwillig und zuverlässig zu einem gesunden Garten und einer erfolgreichen Ernte bei.
Wichtig ist, dass man dabei beachtet, dass dieses «Angebot» in den Gartenzonen rund ums Jahr besteht. Sprich, dass zum Beispiel bei der Pflanzenauswahl darauf geachtet wird, dass es nicht nur eine «Hauptsaison» gibt. Vergesst die Früh- und Spätblüher nicht!
Hummeln fliegen bereits im Februar, wenn sich eine Biene noch nicht heraustraut. Und die Vögel sind dankbar, wenn die Früchte und Saat von Spätblühern bis weit in den Winter reichen.
Um klimatischen Schwankungen optimal zu begegnen, sollte man auch auf eine möglichst grosse Pflanzenvielfalt achten. So wird bei Hitzesommern, Spätfrösten oder anderen Wetterkapriolen immer ein Teil der Pflanzen der Witterung trotzen können – und im Garten kein «Totalausfall» herrschen.
Es gibt diesen einen Moment im Leben von Naturgärtner:innen. Der Rasen darf zur Blumenwiese werden, die erste Wildbiene zieht ein, es summt und blüht – und dann kommt der Blick von nebenan. Der über den Zaun. Der, der sich fragt, ob das jetzt Absicht ist.
Wer ihn kennt, ist in bester Gesellschaft. Hier lohnt sich, mit einem Missverständnis aufzuräumen, das erstaunlich zäh ist. Naturnah heisst nicht ungepflegt.
Ein naturnaher Garten darf messerscharfe Beetkanten haben, klare Wege, eine durchdachte Struktur – akkurater als so mancher Nachbarsgarten. Der Unterschied liegt nicht in der Ordnung. Er liegt in dem, was wächst und darin lebt, summt, brummt, krabbelt, kriecht, tappst, zwischert oder quackt.
Das ist die eigentliche kreative Freiheit. Erlaubt ist, was gefällt – solange es naturnah ist. Verspielt oder streng, üppig oder reduziert, romantisch oder klar: Naturnah gärtnern heisst nicht, sich einem Stil zu unterwerfen, sondern seinen eigenen zu finden. Wo nebenan der immergleiche Einheitsrasen liegt, hast du allen Spielraum, dem Garten deine Handschrift zu geben. Nur die Zutaten sind eben einheimisch statt exotisch.
Denn während in der Nachbarschaft der Kirschlorbeer die Grenze bewacht, gefüllte Züchtungen in Farben leuchten, die es in der Natur nie gab, und der Mähroboter über den Einheitsrasen surrt, wächst bei dir Einheimisches. Pflanzen, die hierhergehören. Blüten, an die eine Biene auch wirklich herankommt. Das ist nicht nur schön anzusehen – da ist Leben drin.
Genau da wird der gepflegte Nachbarsgarten unfreiwillig komisch. So tipptopp geschnitten er ist: Die Apfelblüte, die im Frühling so schön aussieht, bestäubt der Mähroboter nicht. Das übernehmen die Bienen, Hummeln und Schwebfliegen, die nebenan bei dir Kost und Logis gefunden haben.
Es bleibt nicht bei der Bestäubung. Die Marienkäfer, Florfliegen und Ohrwürmer, die in deiner wilden Ecke aufwachsen, machen sich über die Blattläuse her – auch über die auf den Rosen von nebenan. Igel und Vögel ziehen ihre Runden sowieso über den Zaun hinweg. Kurz: Dein Garten versorgt die halbe Strasse mit. Sie weiss es bloss noch nicht.
Das ist keine Einladung zum Rechthaben. Es ist ein Grund, gelassen zu bleiben. Wer einheimisch pflanzt und der Vielfalt Raum gibt, ist der Nachbarschaft einen Schritt voraus.
Und wenn du magst, hol dir die Anerkennung schwarz auf weiss: Bei unserer Biodiversitätsgarten-Prämierung zeichnen wir genau solche Gärten aus. Ein schönes Argument fürs nächste Gespräch am Zaun.
Das Schöne an der Biodiversität: Sie meldet sich zurück, sobald du die ersten Schritte gemacht hast, nicht erst, wenn der ganze Garten umgestellt ist. Oft schneller, als man denkt. Man braucht kein Studium, um zu erkennen, ob ein Garten in Fahrt kommt. Man muss nur hin und wieder genau hinschauen. Diese Zeichen verraten es dir.
Zuerst wird es lauter. Und vielstimmiger. Ein lebendiger Garten klingt nicht nach einer einzelnen Biene, sondern nach einem kleinen Orchester: dicke Hummeln im Bass, zierliche Wildbienen dazwischen, Schwebfliegen, die in der Luft auf der Stelle stehen. Je mehr verschiedene Töne, desto besser läuft es.
Dann ziehen die ersten Gäste ein. Ein Igel, der abends durchs Laub raschelt. Eine Wildbiene, die einen hohlen Stängel bezieht. Eine Meise, die plötzlich regelmässig vorbeischaut, weil es bei dir etwas zu holen gibt. Solche Untermieter:innen kommen nicht zufällig. Sie kommen, weil sie bei dir Nahrung, Schutz und einen Platz zum Bleiben finden.
Später tauchen die Wählerischen auf. Manche Arten stellen sich erst ein, wenn wirklich alles stimmt. Ein Zitronenfalter, der im ersten warmen Strahl vorbeigaukelt. Der Nachwuchs der Marienkäfer, der sich durch die Blattläuse futtert. Wo die sich blicken lassen, stimmt das grössere Bild – sie sind so etwas wie das Gütesiegel deines Gartens.
Und schliesslich das vielleicht schönste Zeichen: Du greifst seltener ein, und der Garten kommt trotzdem klar. Weniger Blattläuse, weil die Nützlinge die Arbeit übernehmen. Weniger giessen, weil der Boden gesünder ist. Ein Garten, der sich mehr und mehr selber im Gleichgewicht hält, läuft rund.
Am meisten entdeckt, wer sich Zeit nimmt und den Garten mit allen Sinnen erlebt. Ein Gartenjahr lang bewusst beobachten verändert den Blick – danach siehst du in jeder Ecke etwas, das du vorher übersehen hättest.
Die (Um-)Gestaltung unserer Gärten zu naturnahen Lebensräumen ist ein wichtiger Schritt zur Förderung der Biodiversität. Jeder noch so kleine Garten kann einen wertvollen Beitrag leisten und so als Verbindungselement zwischen grösseren Naturräumen dienen. Indem wir die Natur in unsere unmittelbare Umgebung zurückholen, schaffen wir nicht nur wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern auch eine lebenswerte Umwelt für uns selbst und künftige Generationen.
Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, unsere Gärten in blühende Oasen der Biodiversität zu verwandeln. Jeder Schritt zählt und trägt dazu bei, das empfindliche Gleichgewicht der Natur so weit wie möglich wieder herzustellen und zu bewahren.
BE WILD! Wir lieben naturnahe Gärten und Artenvielfalt. Darum werden wir mit der Zeit hier laufend neue Tierarten und andere Themen rund um die Biodiversität publizieren. Hilf mit, unserer Natur wieder mehr Platz einzuräumen und profitiere von einem gesünderen Ökosystem.
Es macht uns viel Freude, die Informationen zur Biodiversität zusammenzustellen. Und es würde uns sehr freuen, wenn wir Feedback erhalten. Seien es unbeantwortete Fragen zum Inhalt, Tipps und Tricks, Bilder von naturnahen Gärten oder DIY's rund um die Biodiversität.
Dieser Einleitungsartikel zum Thema Biodiversität wurde von Nadine geschrieben. Sie verbringt – an schönen Tagen – praktisch jede freie Minute mit Fotosafaris im Garten und versucht festzuhalten, welche Gartenbewohner sich bei ihr im Garten tummeln. Natürlich bringen die Gartenbewohner und der Wind auch regelmässig neue Pflanzengäste in den Garten, was mit gleicher Freude begrüsst und beobachtet wird – aber nicht immer bleiben darf ;-)